Diva. Seit 1887 gibt es den Begriff im Duden. Er umschreibt jemanden, der durch besondere Empfindlichkeit und exzentrische Allüren auffällt. Ein Diventum steht zudem in Verbindung mit Launenhaftigkeit und Missachtung oder gar Schikanierung des persönlichen Umfelds. Auch wenn die erste Assoziation der Diva vielleicht immer noch eine weibliche ist, so ist sie im 21. Jahrhundert doch längst geschlechtsneutral.

Ein Paradebeispiel dafür bietet die just zu Ende gegangene Frauen-WM. Um Fußball und den Erfolg ging es spätestens nach dem Ausscheiden nicht mehr. Da gab es von Bundesligatrainern gezielte Giftpfeile in Richtung Bundestrainerin. Giftpfeile, die vordergründig ihre Kompetenz in Frage stellten, sie aber eigentlich ins Herz trafen.

Kritik ist grundsätzlich immer gut, finde ich. Und die Kritik war definitiv gerechtfertigt. Nur das Wie bleibt oft eine Frage des Stils. Vorausgesetzt, man möchte empathisch und respektvoll mit dem zu Kritisierenden umgehen. In diesem Fall ging es, da bin ich mir ziemlich sicher, um etwas ganz anderes.

Auf den ersten Blick war es eine Kritik an Neid. Aber hintergründig war es eine kritische Botschaft an den DFB. Ralf Kellermann, Trainer vom VfL Wolfsburg und Colin Bell, Trainer vom 1. FFC Frankfurt sind beide erfolgreiche Trainer. Zwei Diven. Und genau das ist das Problem.

Ich vermute, dass sie immer noch großen Unmut in sich tragen, weil Steffi Jones im nächsten Jahr den Bundestrainerposten übernehmen wird. Verletzte Eitelkeit bei den Herren der Schöpfung. Eine Art Majestätsbeleidigung. Denn Steffi Jones war zwar zweifelsohne eine erfolgreiche Fußballerin, aber sie ist eine gänzlich unerfahrene Trainerin. Ihr erster Trainerjob ist nun bei der Nationalmannschaft. Kein Wunder, dass Kellermann und Co. sauer sind. Diese Personalie ist wirklich bemerkenswert.

Andererseits ist Steffi Jones eine starke Persönlichkeit. Aufgewachsen ist sie im Frankfurter Stadtteil Bonames, ein absoluter sozialer Brennpunkt. Über den Sport kämpfte sie sich ins Leben. Der Fußball gab ihr Halt, Selbstbewusstsein und Mut. Sie ist zum Beispiel eine der ganz Wenigen, die sich offiziell zu ihrer Homosexualität bekannt hat. All das spricht für Steffi Jones. Ob sie allein durch ihre Ausstrahlung Erfolg haben wird? Wir werden sehen.

Eine Diva ist auch sie. Genauso wie Silvia Neid und ihre Trainerkollegen aus der Bundesliga. Überhaupt wimmelt es an exponierten Stellen des gesellschaftlichen Lebens von Diven. Da denkt jeder als erstes an sich selbst. Auch eine Silvia Neid konnte sich davon nicht frei machen, und gab die Kritik wie einen Bumerang an die Vereinstrainer zurück. Die Spielerinnen seien in einem katastrophalen Zustand zur Nationalmannschaft gekommen. Das hätte sie sich echt sparen können.

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Vielleicht hat das sportliche Scheitern auch ganz einfach mit dem sportlichen Personal zu tun. Zu wenig Persönlichkeiten werden da ausgemacht. Zu wenig Diva, könnte man sagen. Vielleicht ist ein Großteil der Spielerinnen eben einfach noch nicht auf dem richtigen Diven-Niveau angekommen, um am Ende oben zu stehen. In seinem Ursprung ist die Diva übrigens durchaus positiv behaftet und steht für ‚göttlich’.