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Tatort: Verschobene Spiele und falsche Tickets

12.11.2016

Oldenburg Die Tatort-Reihe sollte von Beginn an anders sein und sich bewusst von den bekannten Klischees der alten Durbridge-Thriller und Wallace-Krimis absetzen. 1970 erstmals in der ARD ausgestrahlt, war die neue Reihe auch als ein Konkurrenz-Programm zu „Der Kommissar“ im ZDF konzipiert. Die Tatort-Macher nahmen aktuelle und brisante Ereignisse und Gegebenheiten auf, um Handfestes im Spiegel der Gesellschaft zu zeigen. Bei der Themenauswahl für die Drehbücher griffen die Autoren wiederholt auf reale Gerichtsfälle zurück. Ob Organhandel, illegale Müllentsorgung, Immobilien-Skandale, Arbeitslosigkeit, Rauschgift-Delikte, Probleme von Homosexuellen, Kindesentführung, Radikalismus, Islamismus, Rassismus oder Schwarzgeld-Affäre: Der Tatort, der an diesem Sonntag um 20.15 Uhr seine 1000. Folge feiert, nahm den Zeitgeist auf.

Platzverweis für Trimmel

Bis allerdings erstmals ein Sportthema ins Drehbuch Einzug hielt, vergingen fast drei Jahre Sendezeit. „Platzverweis für Trimmel“ hieß der NDR-Tatort, der am 19. August 1973 als 32. Fall der Reihe in der ARD gezeigt wurde. Mit einem Mord auf einem Fußballplatz wurde der Bogen zum Bundesliga-Skandal Anfang der 70er-Jahre geschlagen. Bei dem Toten handelte es sich um einen Fußballfunktionär, der aufgrund verschobener Fußballspiele zurücktreten musste.

Walter Richter ermittelte als Hauptkommissar Paul Trimmel, jener Ermittler, mit dem am 29. November 1970 mit „Taxi nach Leipzig“ die Tatort-Geschichte begonnen hatte. Für den Film wurde ein Regionalliga-Club (damals 2. Liga) namens VfL Bonsdorf aus der ebenfalls fiktiven Stadt ins Bild gesetzt. Gedreht wurde unter anderem beim Bundesligaspiel am 17. Februar 1973 zwischen dem 1. FC Köln und dem Hamburger SV, auch waren viele damalige HSV-Spieler (Peter Nogly, Willi Schulz) in mehreren Szenen zu sehen.

3:0 für Veigl

Nur wenige Monate später thematisierten die Tatort-Macher die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland. Die Krimi-Folge „3:0 für Veigl“ spielte während der WM im eigenen Land und war damit die erste Folge, die ein aktuelles Sportereignis unmittelbar mit einbezog. Vom Bayerischen Rundfunk produziert, wurde diese 40. Episode der Reihe am 26. Mai 1974 in der ARD ausgestrahlt. Die Handlung: Die Fußball-WM steht kurz bevor. Die Münchner Polizei ist schwer gefordert, sie beklagt einen akuten Personalmangel. Kommissar Melchior Veigl, dargestellt von Gustl Bayrhammer, bekommt es so mit vier Fällen gleichzeitig zu tun (die er alle löst). Der Ausbruch eines Gangsterbosses, ein vorgetäuschter Suizid, zwei Morde und massenweise gefälschte Eintrittskarten für die Fußball-WM halten die Zuschauer in Atem.

Bienzle und der Champion

Lange bevor der deutsche Profiboxer Arthur Abraham im ersten Til-Schweiger-Tatort (Folge 865, „Willkommen in Hamburg“, Erstsendung: 10. März 2013) die ehrenvolle Aufgabe hatte, als Kleinkrimineller Herkuran die erste Leiche zu spielen, war schon Dariusz „Tiger“ Michalczewski bei der ARD in den Ring gestiegen. Die 394. Tatort-Folge „Bienzle und der Champion“ spielte im typischen Boxer-Milieu der 80er und 90er-Jahre. Die Ermittlungen führten Hauptkommissar Ernst Bienzle (Dietz-Werner Steck) in die Boxerhalbwelt. Kurz nacheinander wurden in Stuttgart zwei Leichen gefunden: ein Bankmanager und der Wirt einer Boxerkneipe. Der vom SWR produzierte Tatort wurde am 23. August 1998 erstmals im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. In einer Nebenrolle verkörperte der Ex-Weltmeister im Halbschwergewicht Dariusz Michalczewski den Weltklasseboxer Dariusz Koslowski. Für schwäbische Verhältnisse wurde damals ein ungewöhnlich actionreicher Tatort abgedreht, in dem es um falsche Männerfreundschaften, schwer angeschlagene Boxer und um undurchsichtige Investmentgeschäfte geht.

Habgier

So gar nichts mit Sport zu tun hatte dagegen der Auftritt von Berti Vogts im Tatort. In der vom NDR produzierten und am 10. Januar 1999 ausgestrahlten Folge Nummer 403 mit dem Titel „Habgier“ hatte Vogts, der ein halbes Jahr vorher als Fußball-Bundestrainer entlassen worden war, einen Kurzauftritt. Er spielte einen Nachbarn, der ein Kaninchen zu seinem Besitzer zurückbringt. Hölzern sagte er den Satz: „Gib dem Kaninchen eine Möhre extra.“

Mord in der ersten Liga

Maria Furtwängler ermittelte am 20. März 2011 (Folge 794) als Kommissarin Charlotte Lindholm im Umfeld von Hannover 96. Ein junger Profi wurde ermordet. In der Folge „Mord in der ersten Liga“ (produziert vom NDR) ging es um Hooligans, Homosexualität im Profifußball und das große Geld, an das windige Spielerberater mit der Hilfe ihrer Schützlinge heranwollen. Die Außenaufnahmen für die Folge fanden im November 2010 beim Spiel Hannover 96 - Hamburger SV statt. Dabei ging es aber nur um Szenen mit Publikum, Spielszenen durften – anders als noch bei „Platzverweis für Trimmel“ – wegen fehlender Übertragungsrechte nicht eingebaut werden.

Dass der Tatort in Hannover gedreht wurde, empfanden einige Kritiker als pietätlos. Denn am 10. November 2009 hatte sich der Torwart von Hannover 96, Robert Enke, im Alter von 32 Jahren wegen schwerer Depressionen das Leben genommen. Seine Krankheit hatte er vor Profikollegen geheim gehalten. Andere Kritiker wiederum lobten, dass der Tatort ein Thema aus der harten Welt des Profisports aufgriff.

Im Abseits

Nur wenige Wochen später, am 19. Juni 2011, lief der vom SWR produzierte Tatort „Im Abseits“ (Folge 805). Sendetermin und Thema – es ging um Probleme und Klischees im Frauenfußball – waren nicht zufällig gewählt. Denn vom 26. Juni bis 17. Juli 2011 fand die Frauenfußball-WM in Deutschland statt. In der Tatort-Folge hatten mehrere prominente Fußball-Größen Gastrollen. So waren der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger, die damalige Frauen-Bundestrainerin Silvia Neid, die damalige Nationalspielerin Celia Sasic (damals trug sie noch ihren Mädchennamen Okoyina da Mbabi) sowie Männer-Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff zu sehen.

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Otto-Ulrich Bals Autor
Hauke Richters Leitung / Sportredaktion
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