Oldenburg - Als Nadja Nadgornaja zum letzten Wurf ausholte, hielten die Spielerinnen und Fans des VfL Oldenburg den Atem an. Einen Augenblick später rissen sie die Arme hoch, denn der Ball donnerte an die Latte. Statt Ausgleich in der Schlusssekunde hieß es Sieg für Oldenburg. Mit 31:30 (19:16) bezwangen die Bundesliga-Frauen Borussia Dortmund und entschieden am Sonntag vor 1185 Zuschauern einen wahren Handballkrimi für sich.
„Die Truppe hat bis zum Ende gekämpft und trotz der verlorenen Führung Moral bewiesen“, lobte Trainer Leszek Krowicki nach aufreibenden 60 Minuten. „Es war alles möglich, den letzten Ball habe ich schon drin gesehen“, kommentierte BVB-Trainerin Ildiko Barna und meinte: „Ein Punkt für uns wäre gerecht gewesen.“
In den letzten Minuten sah es auch kurz danach aus, dass der VfL erneut einen oder sogar beide Punkte in der Schlussphase verspielt. Ihre Führung gaben die Gastgeberinnen nach einigen unkonzentrierten Aktionen leichtfertig aus der Hand. Als die Borussia zunächst durch die ehemalige Oldenburgerin Carolin Schmele ausglich (27:27/54.), um dann selbst zum 28:27 (55.) vorzulegen, schien sich das Blatt zugunsten der Gäste zu wenden.
Aber die VfL-Frauen ließen den Kopf nicht hängen, sondern hatten eine Antwort parat. So drehten Angie Geschke und Inger Smits die spannende Partie wieder. Beim Stand von 30:30 fasste sich die stark aufspielende Niederländerin erneut ein Herz und erzielte 66 Sekunden vor dem Ende den entscheidenden Treffer.
„Wir haben eine enge Partie für uns entschieden. Das war sehr wichtig“, sagte Caroline Müller, die nach überstandenem Kreuzbandriss ihr Heim-Comeback feierte. „Die Mannschaft hat mir gut geholfen“, lobte die 22-Jährige den Teamgeist, der dem VfL am Ende zwei wichtige Punkte bescherte.
Dank dieser tollen Moral sicherten sich die Gastgeberinnen den ersten Sieg seit Ende Februar, mit dem Oldenburg Tabellenplatz fünf festigte. Der könnte in der Endabrechnung noch für einen Europapokalplatz reichen.
Den kann die Borussia, die trotz des Revierderbys im Fußball bei Schalke 04 von einigen Fans in schwarz-gelb begleitet und unterstützt wurde, wohl nur noch über den Pokal-Wettbewerb erreichen. „Für uns war heute mehr drin“, bedauerte die wurfgewaltige Nadgornaja. „Es war Pech, dass der letzte Ball nicht reinging.“
Glück war es hingegen für ihre Kontrahentin Madita Kohorst. Das Nachwuchstalent lief in der zweiten Halbzeit im VfL-Tor zur Hochform auf und entschärfte zahlreiche freie Würfe. Doch gegen Nadgornajas letzten Versuch wäre auch die 19-Jährige machtlos gewesen. „Ich hab’ nur gedacht, bitte nicht, aber unser Block stand gut und hat das Gegentor verhindert“, schilderte sie die Szene, um dann wieder mit ihrem Team die zwei Punkte zu feiern.
