St. Denis - Gleich bei der Videobeweis-Premiere hat die neue Technik, die im Länderspiel zwischen Frankreich und Spanien erstmals getestet wurde, gravierende Fehlentscheidungen verhindert.

Vor Frankreichs vermeintlichem Führungstreffer in der 48. Minute bei der 0:2-Niederlage gegen Spanien hatten Bundesliga-Schiedsrichter Felix Zwayer und seine Linienrichter die Abseitsstellung von Vorlagengeber Layvin Kurzawa übersehen. Doch Video-Assistent Tobias Stieler, der in einem Van vor dem Stade de France mehrere Bildschirme im Auge hatte, gab per Funk innerhalb von 25 Sekunden den entscheidenden Hinweis, das Tor von Antoine Griezmann zurückzunehmen.

„Die Zusammenarbeit hat präzise, schnell und sehr professionell funktioniert“, sagte Fifa-Schiedsrichter Zwayer: „Die Funkverbindung zu Tobias hatte eine konstant gute Qualität, und wir haben uns dauerhaft einwandfrei verstanden.“ Der Unparteiische aus Berlin sprach von einem „positiven Testlauf“.

Erneut spielentscheidend griff Stieler in der 77. Minute ein: Zwayer hatte den Treffer von Spaniens Gerard Deulofeu zunächst nicht gegeben, weil der Torschütze den Ball vermeintlich im Abseits stehend zugespielt bekommen hatte. Doch nach erneutem Funkkontakt zu Stieler und 20 Sekunden Beratung revidierte der Referee sein Urteil – der Treffer zählte.

„Wir sind in allen Fällen zur richtigen Bewertung der jeweiligen Szene gelangt“, äußerte Zwayer, der zudem in der 68. Minute bei seiner Elfmeterentscheidung für Spanien, die David Silva zum 1:0 nutzte, von Stieler binnen zehn Sekunden bestätigt worden war: „Wir werden die gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um das System gemeinsam im Sinne des Fußballs weiterzuentwickeln.“

Auch Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps gab eine positive Bewertung ab: „Wenn der Videobeweis Fehler korrigiert – auch wenn es so wie heute nicht zu unseren Gunsten war – scheint es eine gute Sache zu sein.“ Die französische „L’Equipe“ schrieb am Mittwoch von einer „Video-Ohrfeige“ für die Equipe Tricolore. Die spanische „El Mundo“ sah unterdessen den „Beginn einer neuen Ära“ und titelte: „Willkommen, Herr Video“.