Dortmund - Das, was im Sommer ein Fußballmuseum sein soll, liegt da wie ein gestrandetes Schiff gegenüber des Dortmunder Hauptbahnhofes. Im trüben Licht dieses Schmuddelmorgens fehlt nur der Hall eines Nebelhorns, um die Illusion stimmig zu machen. Doch der Kapitän, der sich gleich die Fortschritte im Schiff ansehen will, ist nicht bekannt als Freund der lauten Töne. Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, kommt in den Rohbau, schaut sich um – und lächelt.

Es ist dieses verbindliche Niersbach-Lächeln, man meint, es aus dem Fernsehen zu kennen. Hier, im Rohbau, der einmal eine Multifunktionshalle werden soll, wirkt es wie auf dem Bildschirm.

Wenn das Museum fertig sein wird, wird hier an dieser Stelle der Mannschaftsbus der Weltmeistermannschaft von 2014 die Sicht wohl verbergen. Ein Bus aus Brasilien? Nein, der Bus, der die Mannschaft vom Flughafen auf die Fanmeile nach Berlin gefahren hat. Mannschaftsbusse seien, sagt Niersbach, immer ein unheimlicher Publikumsmagnet, stundenlang würden die Menschen warten, um einmal dort Platz zu nehmen, wo „der Jogi“ mal gesessen hat.

Die Anziehungskraft von Ruhm scheint enorm zu sein, ob es der Sitz von Joachim Löw, der Ball von ‘54 oder ein Trikot von Beckenbauer ist – Dinge, die Teil einer vermeintlich größeren Geschichte als der eigenen sind, ziehen an. So gesehen also wird das Fußballmuseum ein Geschichts- und Emotionsverstärker erster Klasse sein, 1800 Ausstellungsstücke warten darauf, ihre Energie hier zu entfalten. Im August, vielleicht September 2015 sei es fertig, sagt ein Pressesprecher. „Im Juni“, sagt Niersbach. Dann geht es über die Baustelle. Durch die Multifunktionshalle auf die andere Seite, eine versperrte Treppe würde zu einer Mannschaftskabine führen, das soll mal die Garderobe werden. Dann hoch in eine Art Kino und weiter in eine kleine Arena, gewidmet den Weltmeistern von 1954. Die Spieler lebensgroß hier, da der Ball, dort Sepp Herberger, alles eher in schwarzweiß gehalten, um dem Fritz-Walter-Wetter gerecht zu werden.

All das erklärt Manuel Neukirchner, Sprecher der Geschäftsführung der DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum, er macht das nicht zum ersten Mal, dazwischen wuseln die Bauarbeiter umher.

Niersbach schaut und lächelt und nur einmal runzelt er die Stirn. Oben, wahrscheinlich im zweiten Stock, ist eine Gastronomie geplant, mit 60 Plätzen. „Nicht viel, oder?“, fragt Niersbach. Laut Neukirchner gibt es aber weitere gastronomische Angebote, zum Beispiel ein Bistro oder auch die Stadionwurst im Eingangsbereich. „Hier oben ist es ein bisschen höherwertig, hier gibt es die Küche der Nationalmannschaft.“

So geht es weiter, vorbei an Bildschirmhalterungen für „magische Momente“, an Räumen, die mal die „DFL-Lounge“ oder die „Hall of Fame“ des deutschen Fußballs enthalten werden. „Absolute Extraklasse“ sei das, befindet Präsident Niersbach.

Ein Nebelhorn wird dieses Museum nicht brauchen, um auf sich aufmerksam zu machen – wäre es ein Schiff, hieße es MS Deutschland. MS stünde für Museumsschiff. Unterwegs mit der DNA des deutschen Fußballs. Zumindest mit einem Teil davon.