Frankfurt - Der Torlinientechnik-Triumph ließ die Liga-Bosse strahlen und die Gegner kleinlaut zurück. „Für den deutschen Fußball ist das ein wichtiger Schritt nach vorne“, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball am Donnerstag nach dem Erdrutsch-Sieg der Befürworter bei der Abstimmung unter den Bundesligisten. Mit 15:3-Stimmen hatten die Clubs die Einführung des Hilfsmittels beschlossen.

Dank dem „Hawk-Eye“-System („Falkenauge“) werden ab der kommenden Saison Phantomtore der Vergangenheit angehören. Bei dem Votum wurde die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit überraschend deutlich übertroffen. Einige Technik-Gegner wechselten die Seiten – nicht so Schalke 04 und Eintracht Frankfurt. „Das muss man respektieren“, sagte der Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen. „Wir waren dagegen, aus den verschiedensten Gründen. Wenn sich die Mehrheit aber dafür entschieden hat, freuen wir uns 2015/16 auf die Torlinientechnik“, äußerte auch Schalke-Manager Horst Heldt.

Der Hamburger SV dagegen schwenkte um. „Bei der letzten Abstimmung waren wir dagegen. Jetzt sind wird dafür, weil die Kosten deutlich niedriger als zunächst annonciert sind“, sagte am Donnerstag Jörn Wolf, der Mediendirektor des HSV. Werder Bremen war von Anfang an für die Einführung.

Die Technik soll ausschließlich in der Eliteklasse eingeführt werden. Bei der Frage nach dem System hatte sich der Ligavorstand im Vorfeld für das aus dem Tennis bekannte britische „Hawk-Eye“-System entschieden. Der Vertrag läuft drei Jahre. TV-Zuschauer wie Stadionbesucher werden live sehen können, wie das System arbeitet. Die Kosten sollen sich pro Club auf rund 135 000 Euro pro Saison belaufen.

„Ich habe seit Jahren betont, dass wir Schiedsrichter die Torlinientechnik befürworten. Darüber hinaus waren die Erfahrungen bei der WM in Brasilien äußerst positiv“, sagte WM- und Phantomtor-Referee Felix Brych. Auslöser der Debatte über die Einführung war das Phantomtor von Stefan Kießling am 18. Oktober 2013 in Sinsheim, bei dem Brych die Partie leitete. Der nicht anerkannte Treffer des Dortmunders Mats Hummels im DFB-Pokalfinale 2014 zwischen den Bayern und dem BVB (2:0 n.V.) brachte dann neuen Schwung hinein. Dass die Technologie bei der WM-Endrunde ihren Härtetest bestanden hat, machte den Befürwortern Hoffnung.

„Die Technik verändert nicht den Charakter unseres Sports, sondern regelt im Sinn aller Beteiligten einfach und schnell die elementare Entscheidung über Tor und kein Tor.“, sagte Hoffenheims Sportdirektor Alexander Rosen. Dabei wird es nach Ansicht von Jörg Schmadtke aber nicht bleiben. „Wenn man die Tür öffnet, wird es irgendwann Techniken für Abseits und das Seitenaus geben“, äußerte der Kölner Sportchef.