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Fußball Geschichte liefert Konfliktstoff

Eva Krafczyk Jörg Mebus

WARSCHAU - Politisch heikel, sportlich brisant – der EM-Vergleich zwischen Polen und Russland an diesem Dienstag (20.45 Uhr/ARD) birgt Konfliktstoff. Es geht auch um große Gefühle, wunde Punkte in der Vergangenheit und das Weiterkommen im Turnier.

Schon der Zeitpunkt der Partie ist sensibel. Die Russen feiern ihren Unabhängigkeitstag. Großrussischer Jubel auf den Straßen von Warschau – Ärger wäre programmiert.

Ein Marsch russischer Fans zur Feier dieses Tages sorgt in Polen seit Tagen für Parteienstreit. Der russische Fanverband versuchte, die Situation zu entschärfen, indem er ankündigte, die Fans würden die Trikots ihres Teams tragen – nicht etwa T-Shirts mit Symbolen der ehemaligen Sowjetunion. T-Shirts mit Hammer und Sichel könnten nicht nur zu Kontroversen mit polnischen Fans führen, sondern seien ebenso wie faschistische Symbole in Polen verboten, zitierte die polnische Nachrichtenagentur PAP den Vizebotschafter Jaroslaw Ksiazek.

Aus Sorge vor Zusammenstößen werden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Das Spiel in Warschau werde die bisher größte Herausforderung für die polnische Polizei, sagte Innenminister Jacek Cichocki am Montag. Fast 30 000 polnische und knapp 10 000 russische Fans werden erwartet. Das Kräftemessen der Erzrivalen, in dem Russland mit einem Erfolg als erstes Team in das Viertelfinale einziehen könnte, wird auch für den deutschen Schiedsrichter Wolfgang Stark (Ergolding) eine schwere Aufgabe.

Russische Fans aus Smolensk wollen nun wohl keine Fahnen mit der Aufschrift „Smolensk“ ins Stadion bringen. Das hatte der russische Sportjournalist Alexej Lebedew zuvor in einem Blog angekündigt. Nahe der westrussischen Stadt Smolensk war im April 2010 das Flugzeug des damaligen polnischen Präsidenten Lech Kaczynski abgestürzt. Alle 96 Insassen kamen bei dem Unglück ums Leben.

Die Erschießung von rund 22 000 Polen im April 1940 in der westrussischen Region Katyn und weiteren Orten belastet zudem seit Jahrzehnten das bilaterale Verhältnis. Angehörige der Ermordeten bemühen sich vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte um eine posthume Rehabilitierung. Moskau hatte sich erst 1990 zu der Verantwortung bekannt.

Russland will die EM zu einer weiteren Entspannung nutzen. 2010 hatte der damalige Kremlchef Dmitri Medwedew mit dem ersten Staatsbesuch eines russischen Präsidenten in Polen seit 2002 nach dem tragischen Flugzeugabsturz ein Zeichen gesetzt. Nationaltrainer Dick Advocaat und der Chef des russischen Fußballverbands, Sergej Fursenko, legten am Sonntag Blumen an einer Gedenktafel für die Absturzopfer nieder.

Doch auch im EM-Co-Gastgeberland wird provoziert. Für Polen geht es nach dem 1:1 im Eröffnungsspiel gegen Griechenland um alles. „Aufwachen! Russland oder Tod!“, schrieb die Wochenzeitung Wprost. Mehrere Zeitungen beschworen „ein zweites Wunder an der Weichsel“. Mit diesem fragwürdigen Vergleich spielen sie auf das Jahr 1920 an. Damals zwangen polnische Streitkräfte im Kampf um die Unabhängigkeit des Landes eine russische Übermacht in der Schlacht von Warschau in die Knie. 15 000 Menschen starben.

Russland

ist das größte Land der Welt. Es ist mit rund 17,1 Millionen Quadratkilometern fast doppelt so groß wie die USA. Russland hat mehr als 140 Millionen Einwohner. Es ist einer von 15 Staaten, die 1991 nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstanden.

In Polen leben rund 38,6 Millionen Menschen. Das Land ist etwa 313 000 Quadratkilometer groß.

In der Weltrangliste des Fußball-Weltverbands Fifa belegte Russland vor dem Start der Europameisterschaft den 13. Platz. Die polnische Nationalmannschaft hatte den 62. Rang inne.

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