WARSCHAU - In Warschau ist es am Dienstagabend rund um das brisante Vorrundenduell zwischen Polen und Russland bei der Fußball-EM zu schweren Ausschreitungen gekommen. Nach Polizeiangaben wurden mindestens elf Menschen verletzt, darunter ein Deutscher. Die Polizei nahm mehr als 100 polnische und russische Hooligans fest.

Bei einem von Sicherheitskräften bewachten Marsch von mehreren Tausend russischen Anhängern entlang der Weichsel zum Nationalstadion provozierten sich die Fangruppen gegenseitig, und es kam zu teils heftigen Auseinandersetzungen. Augenzeugenberichten zufolge reagierten russische Fans auf Beschimpfungen aus den polnischen Reihen mit Flaschenwürfen. Bei den Schlägereien nahe des Stadions, bei denen auch Rauchbomben gezündet wurden, schritt die Polizei ein. Die Beamten wurden mit Feuerwerkskörpern, Steinen und Flaschen beworfen. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, sie löste den Marsch schließlich auf.

Russische Anhänger feierten mit Fahnen und Sprechchören den Unabhängigkeitstag ihres Landes. Die polnischen Behörden waren den ganzen Tag in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Ab dem Vormittag glich die Warschauer Innenstadt einer Hochsicherheitszone.

Während am Abend im Stadion vereinzelt Feuerwerkskörper aus dem russischen Fanblock flogen, versuchten in der Innenstadt Hooligans, durch einen Technik-Eingang in die Fanzone einzudringen. Dort hatten sich rund 100 000 Fans vor allem in den polnischen Farben versammelt.

Die Beziehungen zwischen Russland und Polen sind durch zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen belastet. Im Zweiten Weltkrieg waren in Katyn (heute Russland) bei einem Massaker der sowjetischen Geheimpolizei Tausende Polen ermordet worden. Vor zwei Jahren war der damalige polnische Präsident Lech Kaczynski auf dem Weg zu einer Trauerfeier anlässlich des 70. Jahrestages des Massakers bei einem Flugzeugabsturz bei Smolensk in Russland mit weiteren Regierungsmitgliedern tödlich verunglückt. Die genauen Umstände sind unklar.