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NWZonline.de Sport Fußball

Fußball: Weltmeister lassen es ruhiger angehen

07.07.2015

Köln /Rom Jürgen Klinsmann ist Nationalcoach der USA, Rudi Völler und Stefan Reuter fungieren bei Bayer Leverkusen und dem FC Augsburg als Sportchefs, Andreas Köpke ist Bundestorwarttrainer – das war es auch schon: Kaum einer der 22 Weltmeister von 1990 spielt im heutigen Fußball noch eine prägende Rolle.

An diesem Mittwoch ist es 25 Jahre her, dass die deutsche Mannschaft am 8. Juli 1990 in Rom Argentinien mit Superstar Diego Maradona im WM-Finale mit 1:0 besiegen konnte. Der Held des Abends hieß Andreas Brehme, der in der 85. Minute per Elfmeter für die Entscheidung gesorgt hatte. Wir zeigen auf, was aus den WM-Helden geworden ist:

Die Torwarte

 Bodo Illgner (48): Die unumstrittene Nummer eins bei der WM trat 1994 im Alter von nur 27 Jahren aus der Nationalelf zurück. Mit Real Madrid zweimal Champions-League-Sieger (1998 und 2000). Versuchte sich als Buchautor. Lebt mit Familie in Florida.  Raimond Aumann (51): Bei der WM die Nummer zwei ohne Einsatz, noch bis 1994 Stammtorwart von Bayern München. Wechselte später in die Türkei. Danach Fanbetreuer des FC Bayern, heute dort Direktor der Fan- und Fanclubbetreuung. Andreas Köpke (53): In Italien noch die Nummer drei, stieg er 1994 zum Stammkeeper auf und wurde 1996 Europameister. Nach dem Karriereende für drei Jahre beim Vermarkter Ufa, seit Oktober 2004 DFB-Torwarttrainer.

Die Abwehr

 Klaus Augenthaler (57): Der Traum vom Cheftrainer-Posten beim FC Bayern erfüllte sich für Deutschlands WM-Libero nie. Nach sechs Jahren als A-Jugend-Coach und Assistenztrainer des Bundesliga-Teams rund sieben Jahre Erstliga-Trainer in Nürnberg, Leverkusen und Wolfsburg. Seit 2011 ohne Trainerjob. Thomas Berthold (50): Seine Karriere kam kurz nach der WM bei Bayern München ins Stocken. Von 2003 bis 2005 Manager des damaligen Viertligisten Fortuna Düsseldorf, danach oft noch als TV-Experte aktiv. Als Geschäftsmann organisiert der Ex-Frankfurter Fan-Reisen. Andreas Brehme (54): Der WM-Finaltorschütze beendete seine Karriere 1998 im Alter von 38 Jahren als Sensationsmeister mit dem 1. FC Kaiserslautern. Trainierte den FCK auch in der Bundesliga. Seit seinem Posten 2006 als Co-Trainer des VfB Stuttgart raus aus dem Geschäft. Guido Buchwald (54): Mit dem VfB Stuttgart 1992 noch einmal Meister, mit dem Karlsruher SC 1998 abgestiegen. Als Trainer in Japan bei Urawa Red Diamonds erfolgreich, in Deutschland bei Alemannia Aachen nach nur vier Monaten entlassen. Von 2010 bis 2013 Präsidiumsmitglied der Stuttgarter Kickers, seit kurzem Scout sowie Mitarbeiter für Internationalisierung auf dem asiatischen Markt für den VfB. Jürgen Kohler (49): Als Spieler bei Borussia Dortmund noch zum „Fußball-Gott“ aufgestiegen. Danach zunächst U-21-Nationaltrainer und kurzzeitig Sportdirektor bei Bayer Leverkusen, seit einem missglückten Engagement beim Bundesligisten MSV Duisburg 2006 nur noch unterklassig tätig. Übernahm für die neue Saison den Oberligisten SC Hauenstein. Hans Pflügler (55): Spielte noch bis 45 in der Landesliga. Schloss schon während der Karriere ein Studium als Stahlbauingenieur ab. Seit 1992 Abteilungsleiter „Outlets“ beim FC Bayern, betreibt zudem eine Pension in seiner Heimatstadt Freising. Stefan Reuter (48): Als Spieler unter anderem Champions-League-Sieger 1997 mit Dortmund, beim BVB zunächst ein halbes Jahr Assistent der Unternehmsführung. Von 2006 bis bis 2009 Geschäftsführer bei 1860 München, seit Dezember 2012 erfolgreich in selbiger Funktion beim FC Augsburg tätig. Paul Steiner (58): Bei der WM schon 33, beendete seine Karriere kurz danach. Von 1997 bis 2008 für die Videoanalyse bei Bayer Leverkusen tätig, danach drei Jahre in dieser Funktion beim 1. FC Köln.

Das Mittelfeld

 Uwe Bein (54): Rannte bis zum Karriereende vergeblich der deutschen Meisterschaft hinterher. 2005 für ein halbes Jahr Manager von Kickers Offenbach, heute in der bundesweit aktiven Fußballschule von Mit-Weltmeister Frank Mill tätig. Günter Hermann (54): Der Bremer wurde – obwohl auch Steiner und Mill nicht spielten – zum Synonym als Feldspieler ohne WM-Einsatz. Übernahm 1996 ein Sportgeschäft in Osterholz-Scharmbeck und führte die dortige VSK als Trainer zwischen 2001 und 2014 von der Bezirksliga in die Oberliga. Trainiert seit Mai 2014 den Landesligisten FC Oberneuland. Thomas Häßler (49): Seine große aktive Karriere verlief in der zweiten Hälfte in Karlsruhe, Dortmund und bei 1860 bescheiden. Als Trainer nur Verlegenheitsjobs: Technikcoach beim 1. FC Köln, Assistent von Berti Vogts in Nigeria und Assistenz-Coach bei Padideh Maschad im Iran. Pierre Littbarski (55): Nach 1990 vor allem in Japan als Spieler und Trainer erfolgreich. Im Lehrbuch „Japanisch im Sauseschritt“ als Figur „Litti“ vertreten. In Aus-tralien 2006 Meister mit dem Sydney FC, auch in Liechtenstein und dem Iran tätig. 2001 bis 2002 Trainer beim Zweitligisten MSV Duisburg, fünf Spiele Interimscoach beim VfL Wolfsburg, Assistent in Leverkusen. Seit 2012 Chef- Spielerbeobachter beim VfL. Lothar Matthäus (54): In der Fußball-Welt weiter verehrt, wird Deutschlands bis heute einziger Weltfußballer in der Heimat oft belächelt. Sein öffentliches Privatleben mit der Doku „Lothar – immer am Ball“ als Tiefpunkt verhinderte wohl das Engagement in der Bundesliga. Nationaltrainer unter anderem in Ungarn und Bulgarien. Noch als TV-Experte im Einsatz. Andreas Möller (47): Gewann als Spieler, was es zu gewinnen gibt. Danach nur dritt- und viertklassig als Cheftrainer bei Viktoria Aschaffenburg und Manager von Kickers Offenbach. Seit seinem Rücktritt (2011) ist er nur noch unregelmäßig als Experte aufgetaucht. Olaf Thon (49): War 1997 einer von Schalkes legendären „Euro-Fightern“. Von 2005 bis 2008 Aufsichtsrats-Mitglied auf Schalke, ab 2010 eineinhalb Jahre Trainer des Fünftligisten VfB Hüls. Aufsichtsratsmitglied eines IT-Unternehmens. Als TV-Experte aktiv.

Die Stürmer

 Jürgen Klinsmann (50): Entstaubte als Bundestrainer zwischen 2004 und 2006 den DFB und führte die Nationalelf zum „Sommermärchen“ 2006. Beim FC Bayern nach knapp zehn Monaten gescheitert. Als Nationaltrainer in seiner Wahlheimat USA seit vier Jahren erfolgreich.  Frank Mill (56): Versuchte sich in der Saison 1996/97 als Manager bei Fortuna Düsseldorf. Fand sein Glück als Leiter einer Fußballschule mit 88 Filialen im ganzen Bundesgebiet. Beschäftigt dort über 60 Ex-Profis. Kickt noch in Traditionsmannschaften. Karl-Heinz Riedle (49): 1997 als Doppel-Torschütze im Champions-League-Finale Held von Borussia Dortmund. Nach der Karriere unter anderem Sportchef bei Grasshopper Zürich und der erfolgreichste Geschäftsmann unter den Weltmeistern: Hotel-Betreiber im Allgäu, Leiter eines Fußball-Camps sowie einer Sport- und Eventagentur. Regelmäßig „Losfee“ der Uefa in der Champions League. Rudi Völler (55): Der Ex-Bremer ist seit mehr als 30 Jahren im Geschäft: Als Spieler 1993 Champions-League-Sieger, als DFB-Teamchef 2002 Vize-Weltmeister, seit 1996 mit Unterbrechungen Sportdirektor und auch zweimal Interimstrainer bei Bayer Leverkusen.

Otto-Ulrich Bals Autor
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