Oldenburg - Der Leistungsdruck im Fußball steigt, der Wettbewerb wird härter – nicht nur bei den Profis. Auch Amateurligen und sogar Jugendmannschaften sind betroffen – und vor den Trainern der Kinder macht der Konkurrenzkampf nicht halt. Bei Eltern ist es inzwischen ein großes Thema, welcher Verein die vermeintlich am besten ausgebildeten Jugendtrainer hat.
Angepasste Belastung
Doch was muss ein Jugendtrainer eigentlich können? Entscheidend ist beim Training mit Heranwachsenden eine an ihr Alter und ihren Entwicklungsstand angepasste Belastung, sagt Martin Jedrusiak-Jung vom „Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten“ der Deutschen Sporthochschule in Köln. „Jugendtraining ist nicht einfach reduziertes Seniorentraining“, betont der Sportwissenschaftler, der aber genau das häufig beobachtet.
Warum das viele Trainer falsch machen, lässt sich vermeintlich leicht erklären. Gerade im Bereich der jüngeren Fußballer leiten oft Väter oder Spieler der Männer-Mannschaft das Kinder-Training, weil sich niemand anderes findet. „Das ist eine günstige Lösung, und man geht davon aus, dass sie einen Bezug zur Mannschaft haben und sich engagieren werden“, sagt Jedrusiak-Jung. Wirklich gelernt haben viele das Coachen nicht.
Diese Fähigkeit wird aber immer wichtiger, sagt Jedrusiak-Jung: „Vereine werden heute viel mehr als früher als Dienstleister wahrgenommen. Sie müssen etwas bieten. Diejenigen, die Trainer mit Expertise haben, sind beliebter. Eltern sind immer mehr bereit, mehr Geld dafür auszugeben.“ Das lässt geradezu einen Wettbewerb unter den Clubs entstehen. Starke Talente versammeln sich oft bei den Vereinen, die gute Trainer haben.
Nun lässt sich Expertise, also die Fachkenntnis, jedoch nicht auf die Schnelle unter Beweis stellen – deshalb muss dafür oft die Lizenz der Verbände herhalten, die dann mit Fachwissen gleichgesetzt wird. Dass dieses Zeugnis eine Garantie ist, ist jedoch ein Trugschluss. „Eine Lizenz ist kein Qualitätssiegel, dass man ein guter Trainer ist“, warnt Jedrusiak-Jung, der selbst Trainer des U-17-Bundesligisten SC Hennef ist, und betont den Wert der engagiert arbeitenden Helfer: „Es gibt auch genug gute Väter.“
Wie viele Trainer im Jugendfußball-Bereich mit Lizenzen ausgestattet sind, lässt sich derweil nur schwer feststellen. Weder der Niedersächsische Fußballverband (NFV) noch der Landessportbund (LSB) haben darüber Statistiken. Manfred Walde, Vorsitzender des NFV-Kreises Oldenburg Stadt erklärt, es habe vor einigen Jahren mal eine Anfrage an die Vereine gegeben, aber der Rücklauf sei spärlich gewesen.
„Wer eine Lizenz hat, wissen wir nicht. Ich denke aber, es ist mehr geworden“, sagt Walde. Zudem gebe es Kurzschulungen und Weiterbildungen, für die man keine DFB-Lizenz erhält, und Vereine können das „DFB-Mobil“ anfordern, mit dem fachlich versierte Trainer für ein Übungsprogramm zu den Kindern kommen. „Das war allein im vergangenen Jahr vier- oder fünfmal in Oldenburg“, erinnert sich Walde.
Viele schulen sich selbst
Von diesen Einheiten können sich die heimischen Trainer auch ohne Ausbildung etwas abgucken. Jedrusiak-Jung betont ebenfalls, dass nicht nur die Lizenzlehrgänge Fachwissen vermitteln. „Es gibt Autodidakten, die sich viel selber anlesen“, sagt der Wissenschaftler und verweist auf die Fachliteratur des DFB sowie zahlreiche Videos auf Internetportalen. Fachwissen kann sich also jeder auch zu Hause leicht aneignen.
Allein auf Fachwissen kommt es aber nicht nur an. „Soziale Kompetenz ist im Training mit Kindern viel wichtiger. Fachkompetenz ist nicht so entscheidend wie im Profi-Bereich“, stellt Jedrusiak-Jung fest. Dieser zwischenmenschliche Umgang jedoch kann auch in den DFB-Lehrgängen, die „mit die besten“ weltweit sind, nicht erlernt werden. „Es wird zwar angesprochen, dass man Siebenjährige anders ansprechen muss als Zwölfjährige. Aber ausreichend vermitteln lässt sich soziale Kompetenz in den vierwöchigen Lehrgängen nicht. Da kommt es auf den Charakter der Spieler an. Das braucht Zeit“, so der Forscher.
