Dortmund - Nach dem Anschlag mit drei Sprengsätzen auf den Mannschaftsbus von Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen. Die Sicherheitsbehörden prüften am Mittwoch zwei Bekennerschreiben auf ihre Echtheit. Eines wurde in Tatortnähe gefunden, das andere im Internet verbreitet. Ermittlerkreise bezeichneten das erste Schreiben als untypisch für die Islamisten-Szene. Das im Internet verbreitete Schreiben wurden von dem entsprechenden Portalbetreiber als Fälschung eingeschätzt. Die Generalbundesanwaltschaft wollte um 14 Uhr über den Stand der Ermittlungen informieren. Die Hintergründe der Tat vom Dienstagabend mit zwei Verletzten blieben unklar.

Der Angriff hatte sich am Dienstagabend ereignet. Der BVB-Bus war gerade vom Mannschaftshotel in Richtung Stadion losgefahren, um das Team zum Viertelfinale der Fußball-Königsklasse gegen den AS Monaco zu bringen, als die in einer Hecke versteckten Sprengsätze detonierten. Dortmunds Abwehrspieler Marc Bartra wurde schwer an Hand und Arm verletzt und operiert. Ein Polizist erlitt ein Knalltrauma und einen Schock. Die Partie wurde kurzfristig abgesagt und auf Mittwoch (18.45 Uhr) verschoben.

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Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird in dem am Dienstagabend in Tatortnähe gefundenen Bekennerschreiben namentlich erwähnt. In dem Schreiben heißt es: „Aber anscheinend scherst du dich Merkel nicht um deinen kleinen dreckigen Untertanen. Deine Tornados fliegen immer noch über dem Boden des Kalifats, um Muslime zu Ermorden.“

Im Satz zuvor wird auf den Islamisten-Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember mit zwölf Toten verwiesen. Das eine Seite lange Schreiben ist nicht handschriftlich, sondern offenbar am Computer geschrieben. In Ermittlerkreisen wird es als für die Islamisten-Szene ungewöhnlich bezeichnet. Auf dem Schreiben fehlten beispielsweise Symbole der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), erfuhr die Deutsche Presse-Agentur als Begründung. Zudem sei das Vorgehen der Täter im Vergleich zu früheren Angriffen mit IS-Bezug untypisch.

Das zweite Bekennerschreiben wurde am Dienstagabend im Internet verbreitet. Darin wird in Antifa-Duktus erklärt, dass der Bus mit eigens für den Angriff angefertigten Sprengsätzen als „Symbol für die Politik des BVB“ attackiert worden sei. Der Fußballclub habe sich nicht genügend gegen Rassisten, Nazis und Rechtspopulisten eingesetzt. Die Echtheit des Schreibens wird allerdings bezweifelt. „Wir halten das Schreiben für einen Nazifake“, teilten die Betreiber des Internetportals Indymedia mit. „Weder Inhalt noch Sprache deuten auf einen linken Hintergrund hin, deshalb haben wir es bereits sehr kurz nach der Veröffentlichung gelöscht.“

Die Ermittler gingen von einer gezielten Attacke auf den Bus aus. Sie sprachen vom Verdacht auf ein versuchtes Tötungsdelikt. „Die Hintergründe dieses feigen Anschlages müssen jetzt konsequent aufgeklärt werden“, sagte Justizminister Heiko Maas (SPD).

In Sicherheitskreisen wurde intensiv darauf hingewiesen, dass ein islamistischer Hintergrund weiterhin nicht geklärt sei. Weitere Überprüfungen seien notwendig. Es könne sich nach wie vor auch um gewaltbereite Fußballfans, Erpresser oder andere Täter handeln.

Am Morgen sicherte die Polizei den Tatort und suchte nach Spuren. An den Zufahrten standen Einsatzkräfte mit Maschinenpistolen und schusssicheren Westen. Querstehende Polizeiautos blockierten die Straßen.

Die Polizei kündigte an, mit verstärkten Kräften bei dem Nachholspiel am Mittwochabend für Sicherheit sorgen. Wegen verstärkter Kontrollen sei mit Wartezeiten beim Einlass sei zu rechnen, hieß es in einer BVB-Mitteilung. Rucksäcke dürften nicht mit ins Stadion genommen werden.

Auch bei dem Champions-League-Heimspiel des FC Bayern München gegen Real Madrid am Abend (20.45 Uhr) sollten Polizeiangaben zufolge mehr Beamte als geplant eingesetzt werden. Der Deutsche Fußball-Bund äußerte sich zunächst nicht über mögliche Folgen für künftige Bundesligabegegnungen.

Unterdessen kamen Spieler und Trainerstab des BVB an ihrem Trainingsgelände zusammen, um sich auf das Spiel vorzubereiten. Das Gelände wurde von der Polizei bewacht. „Ich habe gerade in der Kabine an die Mannschaft appelliert, der Gesellschaft zu zeigen, dass wir vor dem Terror nicht einknicken“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Wir spielen heute nicht nur für uns. Wir spielen für alle. Egal, ob Borusse, Bayer oder Schalker.“

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Große Solidarität und Hilfsbereitschaft gab es unter den Fans: Nach der Verlegung des Spiels boten Dortmunder bei Twitter unter #bedforawayfans Schlafplätze an. Anhänger des AS Monaco suchten auf demselben Weg nach Unterkünften. In der Nacht wurden in den sozialen Netzwerken Fotos von BVB- und Monaco-Fans gepostet, die gemeinsam am Tisch saßen und aßen.

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Die Dortmunder Polizei lobte das Verhalten der Zehntausenden Fußballfans, die bereits im Stadion saßen, nach der kurzfristigen Absage. „Das ist gestern mit sehr viel Ruhe abgelaufen, und das hat uns natürlich als Polizei und sicherlich auch dem Verein sehr geholfen“, sagte eine Polizeisprecherin.

Große Anteilnahme gab es aus der ganzen Sportwelt: Der FC Barcelona twitterte „Unsere ganze Unterstützung für @MarcBartra, @BVB und alle seine Fans“.

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Auch aus München kamen Nachrichten an die Kollegen im Westen. Bayern-Verteidiger Jérôme Boateng hoffte, dass „alle okay“, seien. Auch Schalke 04 drückte seine Anteilnahme aus. „In solchen Momenten hält man im Revier fest zusammen“, schrieben die Schalker.

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Bundesjustizminister Heiko Maas zeigte sich ebenfalls entsetzt. „Schockierende Nachricht“, schrieb der SPD-Politiker am Dienstagabend bei Twitter. „Unsere Gedanken sind beim @BVB. You’ll never walk alone!“ Regierungssprecher Steffen Seibert wünschte Bartra rasche Genesung. „Gute Besserung, @MarcBartra“, schrieb Seibert bei Twitter. „Große Reaktion der Monaco-Fans. Heute Abend stehen alle zum @BVB.“

BVB-Stadionsprecher Norbert Dickel informierte die Fans vor Ort: „Es besteht jetzt hier im Stadion kein Grund zur Panik“, sagte Dickel, der von einem „gravierenden Zwischenfall“ sprach. Die Fans wurden aufgefordert, zunächst im Stadion zu bleiben. Die Monaco-Fans skandierten „Dortmund, Dortmund“.

„Bombenexplosion am Mannschaftsbus am Mannschaftshotel. Spieler in Sicherheit. Keine Gefahr im und am Stadion. Weitere Infos folgen“, hatte der Fußball-Bundesligist getwittert. „Bitte warten Sie auf offizielle Informationen + unterlassen Gerüchte und Spekulationen. Damit unterstützen Sie uns sehr“, twitterte die Polizei, bevor es schließlich um 20.30 Uhr zur Absage kam.

Der Ort der Explosionen wurde weiträumig abgesperrt. Die Mannschaft sollte zunächst mit einem anderen Bus zum Stadion gebracht werden. Mehrere Spieler hielten sich vor der Unterkunft auf. Nach der Absage kehrte das Team in das Hotel zurück, bevor die Spieler zu ihren Familien fuhren.

Sowohl Borussia Dortmund als auch die Polizei informierten regelmäßig bei Twitter über den aktuellen Stand der Dinge:

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