Bremen - Werder Bremens Trainer Robin Dutt flitzte nach dem 3:1-Sieg seiner Bundesliga-Fußballer am Sonnabend gegen die TSG Hoffenheim mit dem Schlusspfiff los. Er rannte über das halbe Spielfeld und hatte nur eins im Sinn, nämlich seinen Torwart Raphael Wolf (25) zu herzen.

Weil aber fast alle Werder-Spieler diese Idee hatten, musste sich Dutt noch einen Moment gedulden. Der Andrang war verständlich: Wolf hatte beim Stand von 2:1 in der 86. Minute einen Elfmeter von Sejad Salihovic gehalten und damit nicht nur den Sieg, sondern wohl auch den Klassenerhalt festgehalten. Gegen jenen Salihovic übrigens, der Wolf in dessen ersten Bundesligaspiel im November 2013 gleich zweimal vom Punkt aus bezwungen hatte.

„Ich wollte eigentlich in die andere Ecke springen, habe mich aber im letzten Moment anders entschieden“, sagte Wolf. Was genau ihm sein Trainer sagte, ging im Lärm unter. Und auch Dutt wusste es nicht mehr: „Ich glaube, ich habe irgendetwas von ‚Danke‘ gestammelt.“

Dutt wollte den Sieg jedoch keineswegs nur am Keeper und dessen Parade festmachen. Er lobte die Einstellung der gesamten Mannschaft, sich nach der Führung der Gäste ins Spiel zurück zu beißen. Denn nach dem 0:1 durch Kevin Volland (3. Minute) glich Philipp Bargfrede bereits in der 18. Minute aus, ehe Santiago Garcia (78.) und der eingewechselte Nils Petersen (90.+2) für Werder trafen.

Es war einmal mehr ein Sieg des Willens, weniger ein Sieg der Spielkunst. Dass Mittelfeldabräumer Bargfrede Werders Bester war, mag Fußballästheten missfallen. Aber die Werder-Mannschaft im Hier und Jetzt ist eine Mannschaft, die den Klassenerhalt nur über Rennen und Kämpfen schaffen konnte. Und man sollte vorsichtshalber auch in der nächsten Saison nichts anderes von ihr erwarten.

Seit dem Wochenende kann bei Werder für eben jene nächste Saison geplant werden. Denn der Klassenerhalt ist durch den Sieg nach menschlichem Ermessen geschafft. Theoretisch können die Bremer zwar noch auf den Relegationsrang zurückfallen, dies ist aber eher ein Rechenspiel als ein halbwegs realistisches Szenario.

Der starke Bargfrede hatte derweil auch einen unglücklichen Auftritt. Als er mit Teamkollege Clemens Fritz zusammenprallte, verletzte sich dieser am Knie und fällt ein bis zwei Wochen aus. „Ich wollte eigentlich den Ball abräumen, da stand Clemens auf einmal im Weg. Plötzlich habe ich nicht den Ball, sondern ihn weggeräumt. Das tut mir leid“, sagte Bargfrede.

Wolf hatte übrigens wenige Tage vor dem Hoffenheim-Spiel erklärt, dass er während seiner Zeit in Österreich so einige Strafstöße gehalten habe und dass er bald mal in der deutschen Bundesliga dran sei. Der Mann kann nicht nur Elfer halten, er kann auch in die Zukunft sehen. Nach dem Spiel forderten die Werder-Fans in der Ostkurve lautstark: „Wolf auf den Zaun.“ Diese Ehre wurde zuletzt Tim Wiese zuteil. Werder mag vor der Bundesligasaison 2014/15 noch ein paar Baustellen haben. Die Torwartposition zählt nicht dazu.