Bremen - Am vergangenen Wochenende ist Werder Bremen aus dem Trainingslager im spanischen Jerez de la Frontera zurückgekehrt. An diesem Sonntag (15.30 Uhr/Weserstadion) startet das Team gegen Eintracht Braunschweig in die Rückrunde der Fußball-Bundesliga. In der Tabelle stehen die Bremer nach 17 Spieltagen auf Platz 11. Dennoch sind sich eigentlich alle einig: Für Werder geht es um den Klassenerhalt.
Baustelle Abwehr
Als Robin Dutt im Sommer 2013 seinen Dienst bei Werder antrat, da hatte er schnell erkannt, wo er den Hebel ansetzen musste. Nach 66 Gegentoren in der Vorsaison war das auch nicht so schwierig: Es galt in erster Linie, die arg wackelige Defensive zu stabilisieren. Das gelang zunächst ganz ordentlich, Werder siegte gegen Augsburg und Braunschweig mit 1:0, hatte sich die Punkte allerdings eher errumpelt denn erspielt.
Fünf Monate später zog Stürmer Nils Petersen eine Bilanz der Vorbereitung: „Hinten stehen wir gut, aber wir müssen mehr Akzente nach vorne setzen. Es erinnert mich an die Situation zu Beginn der Saison.“ Fängt Werder also nach einem halben Jahr unter Dutt wieder bei Null an?
Gebetsmühlenartig hatte der Trainer wiederholt, dass es Zeit brauche, bis die Mannschaft seine Vorstellungen von einem passsicheren und variablen Offensivspiel umsetzen könne. Er sollte Recht behalten. Doch nicht nur das: Werder patzte alsbald auch wieder gewaltig in der Rückwärtsbewegung. Mit 37 Gegentoren haben die Grün-Weißen sogar mehr Treffer kassiert als zum selben Zeitpunkt der Vorsaison.
Die beiden Testspiele in Jerez mögen Dutt gewisse Erkenntnisse gebracht haben, Anlass zur Euphorie boten weder das 0:1 gegen Nijmegen noch das 0:0 gegen Steaua Bukarest. In Jerez wollte die Mannschaft reifen, wollte endlich die Balance zwischen Offensive und Defensive finden. Nicht nur Petersens Aussage macht deutlich: Werder ist immer noch auf der Suche.
Hoffnungsträger Zander
Allgegenwärtig ist die Frage nach der Qualität des Kaders. Dazu passt eine Episode aus Jerez. Ein spanischer Zuschauer, mit Stift und Notizblock bewaffnet und insofern als Scout geoutet, erkundigte sich nach einem der Werder-Stürmer. Es handelte sich dabei um Werders Co-Trainer Peer Jaekel, der lediglich zum Spaß mitgekickt hatte!
Sportchef Thomas Eichin reiste in der Winterpause quer durch Europa, meinte aber hinsichtlich eventueller Neuverpflichtungen: „Stand jetzt habe ich keinen Spieler, der zu bezahlen ist und uns sofort besser macht.“ Der Südkoreaner Ja-Cheol-Koo stand auf dem Einkaufszettel, wechselte jedoch zu Mainz 05. Bei Marco Motta konnte sich Werder nicht mit Juventus Turin über die Modalitäten eines Wechsels einigen.
Die Verpflichtung eines Rechtsverteidigers stand ganz oben auf der Prioritätenliste. Bis ein gewisser Luca-Milan Zander auf den Plan trat. Der 18-Jährige ist der Gewinner der Vorbereitung und untermauerte, was Eichin einmal mehr klargestellt hatte. Werder habe nicht die finanziellen Mittel, um „brutale Qualität zu kaufen, aber wir haben einige gute junge Spieler“.
Zander ist einer davon, Julian von Haacke und Martin Kobylanski (beide 19) gelten ebenfalls als Hoffnungsträger. Davon, dass sie bereits in der Rückrunde eine wichtige Rolle spielen, ist allerdings nicht auszugehen. Vielmehr will sich die Mannschaft am wichtigen Sieg am 17. Spieltag gegen Bayer Leverkusen (1:0) orientieren. „Die Mentalität müssen wir mit ins Braunschweig-Spiel nehmen und danach bestätigen“, so Mittelfeldspieler Cedrick Makiadi.
