Mainz - Es gibt diesen Witz, in dem ein Psychiater zum Patienten sagt: „Sie könnten wahnsinnig viel Glück haben, wenn Sie nicht immer so viel Pech hätten.“

Ein Witz, der wie gemacht scheint für Nils Petersen. Erst sechs Tore gelangen dem Angreifer des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen in dieser Saison. Am Sonnabend nun erzielte der 25-Jährige mal wieder einen Treffer, nur leider nicht so wie er es sich gewünscht hat. In der fünften Minute wollte Petersen im eigenen Strafraum nach einem Eckball klären, doch sein Querschläger landete zum 0:1 im Netz. „Es tut mir sehr leid. Das war eine ärgerliche Aktion, die uns unnötig in Rückstand gebracht hat“, sagte Petersen.

Am Ende verlor Werder bei Mainz 05 mit 0:3 und zu Petersens Ehrenrettung sei gesagt, dass es an diesem Nachmittag auch ohne sein Missgeschick keinen Punkt gegeben hätte. Das Team von Trainer Robin Dutt bot eine unterirdische Leistung, offenbarte gegenüber den Mainzern einen erschreckenden Klassenunterschied und war mit dem Ergebnis am Ende mehr als gut bedient. „Da brauchen wir nicht groß drumherumreden. Das war heute eine einzige Katastrophe. Wir können heilfroh sein, dass es nicht 5:0 oder 6:0 ausgegangen ist“, sagte Werders Manager Thomas Eichin.

Mit einem derart heftigen Einbruch war nach den beiden erfrischenden Auftritten zuvor in Hannover (2:1) und gegen Schalke (1:1) nicht zu rechnen. Vor allem die Zweikampfführung erinnerte eher an einen Friedensgipfel denn an Abstiegskampf. „Da muss sich jetzt jeder an seine eigene Nase fassen, denn das war auf allen Positionen unfassbar schlecht“, sagte Zlatko Junuzovic, der seine fünfte gelbe Karte kassierte und damit am kommenden Sonnabend gegen Hoffenheim (15.30 Uhr, Weserstadion) gesperrt zusehen muss.

Bereits zur Pause hatte die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel nach Toren von Moritz (16.) und Malli (39.) den Sieg eingetütet. Bremer Gegenwehr dabei? Fehlanzeige. Bremer Aufbäumen nach dem Wechsel? Fehlanzeige. Nur eine Chance stand nach einseitigen 90 Minuten auf den Notizzetteln, als Shinji Okazaki einen Kopfball von Sebastian Prödl auf der Linie rettete.

Eine erstklassige Leistung lieferten dagegen die rund 3500 mitgereisten Bremer Fans ab. Noch lange nach dem Abpfiff feierten sie ihre Mannschaft mit Liedern und Sprechchören. „Das ist unfassbar, einfach unglaublich. Mir fehlen dafür die Worte“, sagte Dutt. „Nach dem, was wir hier abgeliefert haben, hätte ich für jedwede Art von Unmut volles Verständnis gehabt“, freute sich Kapitän Clemens Fritz über die Aufmunterung.