Bremen - Auf die Frage, warum die Fußballer von Werder Bremen inzwischen fünf Bundesliga-Heimspiele in Folge verloren haben, wusste weder Torhüter Felix Wiedwald noch Mittelfeldakteur Florian Grillitsch eine Antwort. „Ich kann es nicht erklären“, sagte Wiedwald leise nach dem 1:3 (0:2) gegen den Hamburger SV am Sonnabend und zog die Schultern hoch. „Ich weiß es einfach nicht“, sagte Grillitsch und schaute zu Boden.

Werder-Geschäftsführer Thomas Eichin hatte zwar auch keine Erklärung für den erschreckend schwachen Auftritt gegen den HSV und die dürftigen Leistungen vor eigenem Publikum insgesamt. Im Gegensatz zu den Spielern, die allesamt enttäuscht davonzogen, zeigte er zumindest verbal ein hohes Maß an Aggressivität. „Ich werde jetzt schon wieder gefragt, wie mein Fazit ausfällt. Andauernd soll ich irgendein Fazit ziehen. Ich will das nicht“, schimpfte er: „Wir haben noch drei Ligaspiele und ein Pokalspiel in diesem Jahr. Danach ziehe ich ein Fazit!“

Abgesehen von einer guten Phase zu Beginn der zweiten Hälfte waren die Bremer dem Nordrivalen klar unterlegen. Die Tore von Ivo Ilicevic (3. Minute) und Michael Gregoritsch (27.) gaben dem HSV Sicherheit, der Anschlusstreffer von Anthony Ujah (62.) änderte das nur kurz. Nicolai Müller stellte in der 68. Minute den Zwei-Tore-Abstand wieder her.

Bremens Trainer Viktor Skripnik, der in Ujah und Claudio Pizarro mutig zwei Stürmer aufs Feld geschickt hatte, sprach angesichts der brenzligen Lage bereits davon, in der Winterpause Verstärkungen zu holen. „Ich bin überzeugt, dass dann personell etwas passieren wird“, sagte der 46-Jährige, dem in der zweiten Hälfte auch schlicht die Alternativen fehlten, um dem Spiel noch eine Wendung geben zu können. Auffällig war zudem, wie ungefährlich die Bremer bei Standardsituationen blieben. Die von Zlatko Junuzovic vors Tor getretenen Freistöße verpufften wirkungslos. „Er wird weiterhin für uns diese Situationen ausführen“, nahm Skripnik den Österreicher in Schutz: „Er kann das von allen Spielern am besten.“

Erfreulich war zumindest, dass es bei dem sonst so brisanten Nordderby – es war das 103. in der Bundesliga – ruhig blieb. Es habe „keine nennenswerten Auseinandersetzungen“ gegeben, erklärte ein Polizeisprecher.

Hauke Richters
Hauke Richters Sportredaktion (Leitung)