Bremen/Oldenburg - Nur ein Sieg in den vergangenen sieben Partien, harsche Kritik an der mangelhaften Einstellung der Profis bei der 2:3-Niederlage in Stuttgart sowie der von Manager Thomas Eichin verhängte Maulkorb für die Spieler – Fußball-Bundesligist Werder Bremen hat vor den letzten sechs Spieltagen der Saison mit reichlich eigenen Problemen zu kämpfen. Und dennoch rücken die Sorgen von der Weser in diesen Tagen eindeutig in den Hintergrund, gastiert am Sonntag mit dem Hamburger SV doch der Chaos-Club des Fußball-Oberhauses im Weserstadion (15.30 Uhr).
Der Tabellenletzte zog am Mittwoch sein wohl letztes Register in dieser erneut verkorksten Saison, beförderte Bruno Labbadia zum vierten Cheftrainer binnen weniger Monate. Klar, dass sich da die Fragen rund um den HSV drehen. „Ein solcher Wechsel kann immer einen Impuls geben. Man hat es bei uns gesehen“, erklärte Werder-Kapitän Clemens Fritz am Mittwoch.
Die Bremer hatten im Oktober vergangenen Jahres den glücklosen Robin Dutt durch den damaligen U-23-Trainer Viktor Skripnik ersetzt. Mittlerweile steht Werder auf dem neunten Tabellenplatz und hat sich praktisch aller Abstiegssorgen entledigt. Weil aber die Chance, sich im Kampf um einen Qualifikationsplatz zur Europa League in der Tabelle nach vorne zu arbeiten, in den vergangenen Wochen ungenutzt blieb, sind drei Punkte im Nordderby fast schon Pflicht. „Der HSV steht mit dem Rücken zur Wand“, sagt Fritz zur Situation der Hamburger – allerdings im Wissen, dass seine Mannschaft am Sonntag wohl aufgrund des Labbadia-Effekts auf einen hochmotivierten, wenn auch komplett verunsicherten Gegner treffen wird.
Von Mitleid mit dem Bundesliga-Dino will Trainer Viktor Skripnik derweil nichts hören. „Das wäre das falsche Signal. Als wir in der Hinrunde beim HSV angetreten sind und auf dem Relegationsplatz standen, hatte auch keiner Mitleid mit uns“, so Skripnik. 0:2 hatte seine Elf damals in Hamburg verloren, zwei späte und vermeidbare Gegentreffer kassiert. „Wir wollen Revanche“, gibt der Ukrainer deswegen klar vor.
