Bremen/Leverkusen/London - Seit Wochen beweist Werder Bremens Mittelfeldspieler Kevin de Bruyne, warum er im Sommer wohl zum heißesten Objekt der Begierde auf dem Transfermarkt der Fußball-Bundesliga werden wird. Ende Juli 2012 kam der Belgier auf Leihbasis vom Champions-League-Sieger FC Chelsea an die Weser. Es war der letzte Transfer-Volltreffer des damaligen Werder-Manager Klaus Allofs, der zuletzt immer seltener ein glückliches Händchen bewiesen hatte

De Bruyne kann im Mittelfeld überall eingesetzt werden. Zentral defensiv besticht er trotz seiner erst 21 Jahre mit gutem Auge für die Spieleröffnung, auf den offensiven Außenbahnen durch Tempo sowie technische Finessen, und als Regisseur bringt er die Stürmer mit einem Pass in eine gute Position.

Mit diesen Fähigkeiten wird Kevin de Bruyne kein zweites Jahr an der Weser verbringen. Der Neuaufbau bei Werder stockt, und die Bremer haben den für die weitere Entwicklung des aus Gent stammenden Talents notwendigen Europapokal-Einzug verpasst.

„Um mich zu verbessern, soll ich auf einem höheren Niveau als derzeit spielen“, sagte de Bruyne. Selbst Werders Manager Thomas Eichin deutete den Weggang an: „Jeder wusste, dass dies ein Geschäft auf Zeit war.“ Doch wohin führt der Weg des Flamen? Vielleicht nirgendwo hin. Denn sollte Chelsea die Qualifikation für die Champions League verfehlen, müsste dort trotz der Millionen von Clubeigner Roman Abramowitsch gespart und auf einige teure Stars verzichtet werden, um nicht mit dem „Financial Fair Play“ der Uefa Probleme zu bekommen.

In diesem Falle könnte de Bruynes Zukunft durchaus in London liegen. Die Entscheidung, ob eine erneute Ausleihe oder ein Verkauf von de Bruyne in Frage kommt, zieht sich deshalb wohl noch hin.

Im Falle eines Verkaufs haben bereits drei Bundesligisten ihren Hut in den Ring geworfen. Borussia Dortmund ist bereit, 17 Millionen Euro zu zahlen, was die Karten von Leverkusen verschlechtert.

Der Werkself schwebt eine Verrechnung mit dem Transfer von André Schürrle zum FC Chelsea vor. Bayer-Sportchef Rudi Völler versicherte jedoch: „Wir sind uns bei weitem noch nicht einig.“ Der Verkauf von Schürrle sei abhängig vom Gesamtpaket. „Es gibt mehrere Faktoren, und ich bin ehrlich, da hängt auch de Bruyne dran“, sagte Völler.

Sollte Chelsea de Bruyne erneut nur verleihen, wäre auch Schalke im Rennen. „Kevin würde gut bei uns reinpassen“, sagte deren Aufsichtsratschef Clemens Tönnies. Wegen Chelseas Interesse an Schürrle scheint bei einem Leihgeschäft jedoch Leverkusen im Vorteil zu sein. Denn 2012 wurde schon Marko Marin auf diese Weise verrechnet, und de Bruyne landete bei Werder Bremen.

Nun ist sogar erneut auch Klaus Allofs mittendrin statt nur dabei. Auch der Manager des VfL Wolfsburg bekundete sein Interesse. Geld ist für ihn zumindest kein Thema mehr.