WIEN - 23 Spieler zählte das deutsche Aufgebot bei der EM. Die Spieler in der Einzelkritik:

Rückennummer 1 – Jens Lehmann: Vor der ersten Partie entfachte er eine Diskussion über den angeblichen EM-Flatterball. Sah in der Vorrunde einige Male nicht glücklich aus, steigerte sich aber im Laufe des Turniers. Genießt in der Mannschaft aufgrund seiner Erfahrung und seiner Ruhe viel Respekt.

12 – Robert Enke: Der Schlussmann von Hannover 96 will unbedingt die Rolle Lehmanns als Nummer eins in der Nationalelf übernehmen. Dabei verzichtete der gebürtige Thüringer in Ascona aber auf laute Töne.

23 – Rene Adler: Auch nach dem Turnier hat der Leverkusener noch kein einziges Länderspiel bestritten. Mit gerade einmal 23 Jahren hat er aber gute Chancen, irgendwann die Nummer eins zu werden.

2 – Marcell Jansen: Bei der miserablen Leistung gegen Kroatien verletzte er sich obendrein noch an der Schulter. Philipp Lahm übernahm so Jansens Position auf der linken Seite und ist nach starken Auftritten dort gesetzt.

3 – Arne Friedrich: Kam durch den Wechsel Jansen-Lahm auf die Position des rechten Verteidigers und überzeugte als solcher. Ließ durchblicken, dass er künftig mehr will, als mit Hertha um Uefa-Cup-Plätze zu spielen.

4 – Clemens Fritz: Die Umstellung im deutschen Mittelfeld kostete den Bremer den Startplatz. Hatte bis dahin seinen Part solide erfüllt.

5 – Heiko Westermann: Er musste in Ascona immer morgens nach einem Spiel früh raus – dann nämlich trainierten die Akteure, die am Vortag nicht zum Einsatz gekommen waren. Ist als vielseitig einsetzbarer Verteidiger aber auch künftig bei der Nationalelf dabei.

16 – Philipp Lahm: Seit dieser EM redet die ganze Fußball-Welt vom kleinen Münchner. Seine Vorstöße, seine Flanken und auch seine Tore machen ihn zu einem internationalen Klassemann. Gab ehrlich zu, dass er die Ehrung zum „Spieler des Spiels“ nach der Partie gegen die Türkei nicht verdient hatte.

17 – Per Mertesacker: An die überragenden Leistungen bei der WM 2006 konnte der Bremer nicht ganz anknüpfen. Dennoch ein unverzichtbarer Teil der Mannschaft.

21 – Christoph Metzelder: Auch er hatte im Vergleich zu 2006 einige Wackler. Mit mehr Spielpraxis im Verein dürfte sich das aber wieder ändern. Kündigte vor der EM an, sich erst nach dem deutschen Turnierende zu rasieren. So kam der Innenverteidiger zu einem Vollbart.

8 – Simon Rolfes: Gegen Portugal ganz stark als Teil der Doppel-Sechs. Gegen die Türkei dann unglücklich, verletzte sich zudem noch am Auge. Für einen Spieler im defensiven Mittelfeld technisch außergewöhnlich stark.

7 – Bastian Schweinsteiger: In der Nationalelf viel stärker als beim FC Bayern. Seine Ballsicherheit und Kreativität beleben das deutsche Spiel. Beeindruckend war sein Tempo beim Führungstor gegen Portugal.

8 – Torsten Frings: Die „Rippe der Nation“ kämpfte, grätschte und giftete auf dem Platz. Ganz wichtiger Führungsspieler.

13 – Michael Ballack: Der Kapitän personifiziert für die Gegner die deutschen Tugenden. Sein Gesichtsausdruck beim Tor gegen Österreich sagte mehr als tausend Worte.

14 – Piotr Trochowski: Der Hamburger sprang bei Lahms Siegtreffer gegen die Türkei an der Seitenlinie herum, als hätte er selbst getroffen. Das spricht für den kleinen Mittelfeldspieler, der nur EM-Tourist war.

15 – Thomas Hitzlsperger: Der Stuttgarter darf seine Offensivstärken im Löw‘schen System nicht richtig ausleben. Stellt sich aber in den Dienst der Mannschaft.

18 – Tim Borowski: Der langjährige Werder-Profi hätte gern mehr gespielt. Auch er verhielt sich aber professionell und damit ruhig.

19 – David Odonkor: Kam gegen Kroatien zur Pause ins Spiel und enttäuschte. Konnte seine Flankenläufe nicht zeigen.

9 – Mario Gomez: Am Stuttgarter lief die EM vorbei. Ob Wechsel-Pläne oder zu viel Erwartungsdruck – der Torjäger hatte den Kopf beim Turnier nicht frei.

10 – Oliver Neuville: Der Routinier aus Mönchengladbach freute sich, noch einmal bei einem großen Wettbewerb dabei zu sein. Trotz wenig Spielzeit war er glücklich, schließlich kommt er aus Ascona.

11 – Miroslav Klose: Bei der zweiten EM-Teilnahme schaffte der WM-Torschützenkönig nun auch seine ersten EM-Tore. Als einzige Spitze im neuen System in anderer Rolle als sonst.

20 – Lukas Podolski: Sein ausbleibender Torjubel im Spiel gegen Polen verschaffte ihm im Nachbarland noch mehr Freunde. Wenn er unbekümmert aufspielt, ist er von kaum einem Verteidiger zu halten.

22 – Kevin Kuranyi: Der Schalker hatte vermutlich von einem anderen EM-Verlauf geträumt. Im Sturm bei Löw nicht gesetzt.