WOLFSBURG - Die Spieler hilflos, der Trainer ratlos, die Führung sprachlos: Bayern München hat sich bei der 1:5 (1:1)-Demütigung durch Felix Magaths VfL Wolfsburg weder titelwürdig noch reif für das Champions-League-Viertelfinale beim FC Barcelona präsentiert. Das tut weh. Natürlich sind wir bedient. Das ist enttäuschend, gestand Trainer Jürgen Klinsmann nach der höchsten Bundesliga-Niederlage seit Januar 2002.
Klinsmanns Vor-Vorgänger Magath strahlte hingegen übers ganze Gesicht über die Tabellenführung. Die Demontage der Bayern hat dem starken Mann des VfL Freude bereitet. Gekrönt wurde die Wölfe-Gala durch einen Treffer der Extra-Klasse. Vom 5:1 durch Grafite, der vor seinem 20. Saisontor vier Bayern-Verteidiger inklusive Torhüter Michael Rensing austanzte und dann mit der Hacke in die linke Ecke traf, wird die Fußball-Welt noch lange sprechen. Das schönste Tor, das ich jemals geschossen habe, schwärmte der Brasilianer. Und als Magath in der 88. Minute Andre Lenz für Torwart Diego Benaglio einwechselte, war dies ein weiterer Stich in Münchner Fußballherz.
Anfangs dominierte Bayern
Manager Uli Hoeneß und den anderen Bayern-Oberen hatte es nach der Klatsche die Sprache verschlagen. Wort- und grußlos verließen sie die Stätte der Schmach.
Dabei hatte alles programmgemäß für den Rekordmeister, der jetzt auf Rang vier steht, begonnen. Auch ohne Martin Demichelis und Daniel van Buyten kontrollierten die Gäste die Partie und zeigten nach dem Rückstand durch ein Kopfballtor von Christian Gentner (44.) die von ihnen gewohnte Reaktion und glichen durch Luca Toni postwendend aus.
Da war die Bayern-Welt noch in Ordnung. Was danach geschah, war selbst für Klinsmann nur schwer zu erklären. Wir haben viel zu viele Fehler in der Rückwärtsbewegung gemacht das ist fatal und schlecht, kritisierte der Bayern-Coach angesichts des aufkommenden Desasters nach Wiederanpfiff. Und das wussten die Gastgeber in Person von Zvjezdan Misimovic, Edin Dzeko und Grafite zusammen mit den anderen Wölfen zu nutzen. Sie führten die umformierte Innenverteidigung der Gäste brutal vor.
Uefa-Cup-Platz sichern
Erst stellte Dzeko (63./65.) mit seinen Saisontoren 14 und 15 die Weichen auf Sieg. Dann übernahm Grafite (74./77.) mit den Treffern 19 und 20 die alleinige Führung in der Torschützenliste. 30 000 VfL-Fans waren bestens gestimmt. Immer mehr in Erklärungsnot gerät Magath, dem nach dem achten Sieg in Folge keiner mehr abnahm, weiter nur an die Sicherung des Uefa-Cup-Platzes zu denken.
