WOLFSBURG - Die Stimmung beim stark abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburger könnte zum Frühlingserwachen frostiger nicht sein. Die Geduld beim VfL-Mutterkonzern Volkswagen ist endgültig am Ende. In noch nie dagewesener Schärfe und Deutlichkeit droht VW den Woche für Woche enttäuschenden Profis unverhohlen mit dem Rauswurf.
Wenn die Mannschaft jetzt nicht konsequent agiert, dann werden wir eben Konsequenzen ziehen, kündigte Aufsichtsratschef Francisco Javier Garcia Sanz an. Die Spieler nahmen die Drohung gelassen. Er ist der Boss. Es ist sein Job, so etwas zu sagen, befand Mittelfeldspieler Diego nach dem Training.
Auch von den Fans haben die Spieler einiges zu erwarten. Für Dienstag 17.30 Uhr wurden sie von den frustrierten Anhängern zum Rapport beordert. Nach dem enttäuschenden Unentschieden gegen St. Pauli gibt es seitens der Fans Redebedarf, sagte der Fanbeauftragte Michael Schrader.
Die Profis stehen am Pranger und werden von Trainer Felix Magath ordentlich rangenommen. Die üblichen freien Regenerationstage entfielen nach dem Lust- und Hilflos-2:2 am Sonnabend gegen den FC St. Pauli. Der vermeintliche Heilsbringer Magath, der auch vier Spiele nach seiner Rückkehr noch auf den ersten Sieg wartet, wird wieder zum Quälix.
Am Montag scheuchte er die Profis, denen er am Wochenende Egoismus vorgehalten hatte, in Intervallläufen über den Rasen. Schon am Sonntag hatte es ein beinhartes Straftraining gegeben, bei dem die Spieler an ihre Leistungsgrenzen gehen mussten. St. Pauli hat Abstiegskampf gezeigt. Wir machen Schönwetter-Spielerei. Das geht so nicht, wetterte VW-Konzernchef Martin Winterkorn.
Für den Club-Eigner VW wird der VfL allmählich zum ernsthaften Image-Problem. Winterkorn, der den Club nach dem Meistertitel 2009 zu einer europäischen Marke und einem Dauergast in der Champions League machen wollte, muss zusehen, wie der VfL seinem ersten Bundesliga-Abstieg entgegentaumelt.
Tatenlosigkeit kann dem VW-Boss dabei niemand vorwerfen. Es wurden vier Trainer und Manager Dieter Hoeneß ausgetauscht. Es ist Zeit, die Spieler in die Pflicht zu nehmen. Wie haben uns in den letzten zwei Jahren immer vor die Mannschaft gestellt. Es scheint fast, als wäre die Mannschaft beratungs- und trainerresistent. Es ist keine Besserung eingetreten, sagte Sanz.
