Wolfsburg/Hamburg - Das pure Drama der Rettung in letzter Sekunde? Die Glückseligkeit nach dem Abpfiff? Die Party bis in die Morgenstunden danach in der Kultkneipe Erika’s Eck auf dem Kiez? Bruno Labbadia hat den Relegations-Thriller 2015 mit dem Hamburger SV mittlerweile abgehakt. „Ich will mit Wolfsburg drinbleiben, nur das zählt“, sagte der 52-Jährige vor dem Kellerduell mit dem VfL gegen seine alte Liebe an diesem Samstag (15.30 Uhr).
Ausgerechnet Labbadia, ehemaliger Stürmer und zwei Mal Fußball-Trainer an der Elbe, kann den HSV nun in die 2. Liga befördern. Aber was war, zählt nicht mehr. „Entscheidend ist, was mit meinem Club passiert. Das hat nichts mit Herz zu tun“, sagte Labbadia, den lahmenden Wölfen droht ja selbst der Abstieg: „Ich bin hier angestellt. Und wenn ich etwas mache, dann mit allem, was ich habe. Ich bin mit Haut und Haaren Wolfsburg-Trainer.“
Wolfsburg gegen den HSV, es wird ein Abstiegs-Showdown mit allen Ängsten und Emotionen, die Polizei ist in Alarmbereitschaft. Fünf Punkte liegt der HSV hinter dem Werksclub. Mit einem Sieg wär der HSV bis auf zwei Zähler dran.
Umgekehrt heißt das aber auch: Bei einer Pleite wäre der eigentlich unabsteigbare HSV abgestiegen, wenn Freiburg und Mainz gewinnen. Und so wird vor dem Krimi ordentlich gestichelt, die verbalen Giftpfeile fliegen hin und her.
„Mit einem Sieg können wir den HSV in die 2. Liga schießen – mehr Motivation geht nicht“, sagte Wolfsburgs Daniel Didavi, der sich nur zu gut an den letzten Spieltag der Vorsaison erinnert. Damals schickte der HSV Wolfsburg in die Relegation. Der Stachel sitzt noch tief. Nun stünden noch drei „Endspiele“ an, in „denen wir Eier zeigen müssen“, sagte Didavi.
Wie man sich gegen das eigentlich schon feststehende Schicksal wehrt, zeigen die Hamburger. Nach dem 1:0 zuletzt gegen Freiburg glauben sie mehr denn je an das nächste Wunder. „Wir steigen nicht ab“, sagte Tatsuya Ito. Lewis Holtby meinte nach dem Freiburg-Spiel: „Aus psychologischer Sicht wäre ich jetzt nicht gern der Gejagte – sondern lieber der Jäger.“ Den Mainzern, Freiburgern und Wölfen könne er nur sagen: „In Eurer Haut möchte ich nicht stecken.“
Der HSV reist indes ohne Stürmer-Talent Jann-Fiete Arp nach Wolfsburg. Der 18-Jährige bleibe wegen seiner Abiturprüfungen in Hamburg.
