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Aktualisiert vor 8 Minuten.

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NWZonline.de Sport Fußball

Wunder als Lohn fürs Bleiben

19.03.2016

Köln /Krefeld Noch heute schämen sich Hunderte Fans aus Krefeld. Denn scharenweise hatten sie am 19. März 1986 angesichts eines 1:3-Rückstandes von Bayer Uerdingen zur Halbzeit die Grotenburg-Kampfbahn im deutsch-deutschen Duell im Europapokal der Pokalsieger gegen Dynamo Dresden verlassen. Die Sachsen hatten schon das Viertelfinal-Hinspiel 2:0 gewonnen, es schien auf ein Debakel des DFB-Pokalsiegers von 1985 hinauszulaufen.

„Jungs, auch wenn es aus und vorbei ist, blamiert euch nicht weiter, verabschiedet euch anständig aus dem Europapokal“, appellierte Bayer-Coach Karl Heinz Feldkamp in der Halbzeit an seine Schützlinge. Es ging eigentlich nur noch um Schadensbegrenzung, 45 Minuten später stand jedoch ein 7:3-Triumph der Werkskicker, die sich in der zweiten Hälfte in einen Rausch spielten. Die, die gegangen waren, ärgern sich noch heute. An diesem Sonnabend jährt sich der Thriller zum 30. Mal.

Vergessen war nach dem Abpfiff, dass es beim live übertragenden Sender ZDF viele Anrufer in der Halbzeitpause gegeben hatte, die darauf drängten, die Übertragung angesichts des Rückstandes von Uerdingen abzubrechen. Als die unglaubliche Aufholjagd perfekt war, spielten sich wilde Szenen um die Uerdinger Spieler ab.

„Unfassbar, ich sitze auf Wolke sieben“, kommentierte damals Bayer-Präsident Arno Eschler und erhöhte spontan die Prämie für die Bayer-Kicker für den Einzug ins Halbfinale von 7000 auf 10 000 Mark. Das Magazin „11 Freunde“ kürte das Fußball-Wunder von Krefeld sogar zum größten Fußballspiel der Historie, mehr als 200 Journalisten, Trainer und Spieler hatten den Fußball-Thriller ausgewählt.

Doch nicht nur die unglaubliche Aufholjagd der Feldkamp-Mannschaft durch Treffer von Wolfgang Funkel (57., Foulelfmeter/79., Handelfmeter), der insgesamt dreimal traf, Wolfgang Schäfer (66./87.), Larus Gudmundsson (62.) und Dietmar Klinger (78.) ging in die Fußball-Historie ein. Dynamo-Spieler Frank Lippmann nutzte das Spiel, um sich von seiner Mannschaft abzusetzen und bei Verwandten in Nürnberg zu bleiben. In der DDR-Presse war schnell von „Verrat“ die Rede.

Aufseiten der Dresdner kickten auch die jungen Ulf Kirsten (damals 20 Jahre) und Matthias Sammer (18) sowie Ausnahme-Libero Hans-Jürgen Dixie Dörner (35), Coach von Dynamo war Klaus Sammer (43). Diesem wurde Lippmanns Flucht zur Last gelegt, er wurde am Saisonende als Chefcoach abgelöst. „Ich persönlich habe es damals abgelehnt, den Job weiterzumachen, weil meine Ablösung nur noch Formsache war. Erich Mielke (Minister für Staatssicherheit, Anm. d. Red.) und Manfred Ewald (DDR-Sportchef) haben mich damals als Trainer zum Abschuss freigegeben, da unser Ausscheiden ihrer Meinung nach ,klassenschädigend‘ war“, berichtete Klaus Sammer rückblickend.

Lippmann spielte danach beim 1. FC Nürnberg und Waldhof Mannheim sowie in Österreich und der Schweiz. Heute arbeitet er als Geschäftsstellenleiter beim sächsischen Oberligisten Bischofswerdaer FV.

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