ZüRICH - Rücktritt bleibt für den vielsprachigen Joseph Blatter ein Fremdwort. Der Präsident des korruptionsgebeutelten Weltverbandes präsentierte sich nach der brisanten Sitzung des Fifa-Exekutivkomitees am Dienstag in Zürich als großer Reformator und erklärte mit ausladenden Gesten und Worten die Verabschiedung des Ethikkodexes und die Einsetzung der Ethikkommission.

Zunehmend schmallippig reagierte der 76-jährige Schweizer dann auf Fragen nach seiner persönlichen Zukunft. „Wenn man mich nicht mehr will, dann sage ich: Dankeschön, ich haben meine Arbeit geleistet. Dann stehe ich auf und gehe. Ohne großes Wenn und Aber“, versprach der Fifa-Chef.

Ob er sich für die Andeutungen, bei der Vergabe der WM 2006 nach Deutschland, sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen, bei seinen Funktionärskollegen entschuldigt habe? „Kein Kommentar“, sagte Blatter. Im Übrigen könne nur der Kongress über Rücktrittsforderungen, wie sie der deutsche Ligachef Reinhard Rauball im Zuge der Schmiergeldkommission erhoben hatte, entscheiden.

Der deutsche Fußball reagierte unterschiedlich auf Blatters Stehvermögen. „Ich habe in der vergangenen Woche meine persönliche Meinung gesagt. Es wird Sie nicht verwundern, dass ich diese nicht geändert habe“, sagte Rauball. Nach der über zweistündigen Sitzung des Fifa-Führungsgremiums stellte sich das deutsche Mitglied Theo Zwanziger vor Blatter. „Aus Sicht der Fifa-Exekutive ist er absolut tragbar. Der Reformprozess wäre gar nicht weitergegangen ohne ihn“, sagte der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Ein Rücktritt Blatters sei kein Thema gewesen. DFB-Präsident Niersbach erklärte derweil: „Das Wort Rücktritt wird keine offizielle Initiative des DFB werden, so anmaßend sollten wir nicht sein.“

Das Exekutivkomitee ernannte den deutschen Richter Joachim Eckert und den amerikanischen Staatsanwalt Michael Garcia zu den Vorsitzenden der beiden Kammern der neuen Ethikkommission, die den Kampf gegen die Korruption voranbringen soll. Eckert leitet die 6. Strafkammer des Landgerichts München und ist dort auf Wirtschaftsverfahren spezialisiert. Der 64-Jährige soll in einer juristisch ähnlichen Konstruktion wie beim DFB mit Sportgericht und Kontrolllausschuss die Gerichtskammer leiten. Garcia arbeitet in den USA als Ankläger und war auch im Doping-Prozess gegen Sprint-Olympiasiegerin Marion Jones tätig.

„Die Vorsitzenden der beiden Kammern sind komplett unabhängig“, sagte Blatter, sie bekommen jedoch die üblichen Spesen des Weltverbandes. Die Fifa werde allen Entscheidungen der neuen Ethikkommission folgen.

Und laut Zwanziger sollen auch die Vorgänge um die Schmiergeld-Affäre der bankrott gegangenen Marketingfirma ISL noch einmal von der neuen Kommission untersucht werden.