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NWZonline.de Sport Fußball

Großveranstaltungen: Zwangsräumungen in Rio sorgen für Kritik

27.02.2014

Rio De Janeiro In Rio de Janeiro ist vor der Fußball-WM in diesem Sommer und den Olympischen Spielen 2016 der Streit um Zwangsräumungen neu entbrannt. Kritiker bemängeln die Art der Durchführung sowie die Motivation: „Man will den Touristen ein Rio de Janeiro zeigen, das nicht existiert – ein Rio de Janeiro ohne Armut“, sagte Renato Cosentino vom WM-kritischen Bündnis „Comitê Popular Rio Copa e Olimpíadas“. Nach Zahlen der Stadtverwaltung mussten zwischen 2009 und 2013 insgesamt 20 299 Familien ihr Zuhause räumen. Die Häuser standen in „informellen Gebieten“ in den Favelas der Stadt.

Die Räumungen in der Stadt am Zuckerhut würden vor allem rund um die touristisch interessanten Gebiete und die Austragungsorte von WM und Olympia erfolgen, betonte Cosentino. Profiteure seien Immobilienunternehmen: „Wenn eine Favela abgerissen wird, wird die Gegend enorm aufgewertet.“

Die Stadtverwaltung hält dagegen, die Räumungen dienten dem Wohl der Bevölkerung. „Alle Familien, die städtische Wohnungen bekamen, leben jetzt in einer deutlich besseren Situation“, wies der städtische Beauftragte für Wohnungsbau, Pierre Batista, die Kritik zurück. Nach seinen Angaben zogen 9320 der enteigneten Familien in Sozialwohnungen um. Ein Viertel von ihnen habe vorübergehend Miethilfe erhalten und in 30 Prozent der Fälle habe die Stadtverwaltung Entschädigungen gezahlt.

Baustellen der Stadt seien in weniger als zehn Prozent der Fälle der Hintergrund der Räumungen. Die meisten Umsiedlungen seien notwendig geworden, da sich die Häuser in Risikogebieten wie Flussufern oder Berghängen befanden.

Das „Comitê Popular“ hält allerdings das Risiko-Argument oftmals für vorgeschoben. Die Wiederansiedlungen würden meist in unsichere Gebiete im Osten Rios erfolgen, weit entfernt von Stadtzentrum, Arbeitsplätzen und grundlegender Infrastruktur. Anwohner kritisieren den Umsiedlungsprozess als wenig transparent.

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