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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Ganderkesee

Bäume fallen wie Dominosteine

07.11.2012

Bürstel „Qimburga“ kannte keine Gnade. Wer oder was sich ihr am Morgen des 13. November 1972 entgegen stellte, wurde einfach niedergemacht. Die Rede ist vom Orkantief, das mit knapp 200 Stundenkilometern über Teile des Oldenburger Landes hinwegfegte und an Landschaft und Gebäuden immense Schäden hinterließ – auch in der Gemeinde Ganderkesee.

Zu jenen Orten, für die der Orkan gravierende und noch bis heute nachvollziehbare Folgen hatte, zählt der Bürsteler Fuhrenkamp. Nur etwa ein Fünftel des im 19. Jahrhundert aufgeforsteten, knapp 60 Hektar großen Kiefernwaldes blieb stehen, der Rest lag fast komplett am Boden, nachdem „Quimburga“ durchgerauscht war.

Wer erinnert sich an den orkan?

Am 13. November 1972 fegte der Orkan „Quimburga“ über das Oldenburger Land und hinterließ auch in der Gemeinde Ganderkesee großen Schaden. Anlässlich des 40. Jahrestages der Katastrophe möchte die NWZ die Erinnerungen der Leser an die dramatischen Stunden erfahren.

Zu erreichen ist die NWZ -Redaktion Ganderkesee in der Mühlenstraße 1 (Passage „Alte Eiche“) persönlich, unter Telefon  04222/ 8077-0 oder per E-Mail (red.ganderkesee@nordwest-zeitung.de).

Ganz unmittelbar erlebt hat Wilfried Schiller aus Immer den Orkan. Schiller war seinerzeit als Haumeister im Forstrevier Stühe beschäftigt, zum dem auch der Fuhrenkamp zählte. „Wir bemerkten bei der Arbeit, dass der Wind immer stärker wurde“, erinnert sich der 72-Jährige an den Morgen des Orkans. Nach ihrer Frühstückspause um 9 Uhr brachen Schiller und seine Kollegen aus Sicherheitsgründen ab und gingen nach Hause. „Zwei Stunden später war schon alles vorbei“, berichtet der ehemalige Forstarbeiter.

Welche Schäden „Quimburga“ angerichtet hatte, offenbarte sich erst nach und nach. „Die Wege im Fuhrenkamp waren ja alle durch Baumstämme versperrt“, so Schiller. Die Beseitigung des Sturmholzes erwies sich als Mammutaufgabe. Selbst die aus Adelheide herbeigerufenen Panzer waren machtlos gegen das Chaos.

Wirksame Hilfe kam aus dem Ausland. Schwedische Forstarbeiter rückten mit ihrem Maschinenpark an, aus Jugoslawien kamen weitere Arbeitskräfte. „Wir haben etwa ein Jahr lang mit 30 Mann an der Beseitigung des Sturmholzes gearbeitet“, beschreibt Wilfried Schiller das Ausmaß der Schäden. Hinzu kam ein Absatzproblem. Die riesigen Mengen an Holz konnten nicht direkt vermarktet werden und mussten aufwendig in Gewässern oder unter einer Beregnungsanlage im Stühe konserviert werden. Auch an dieser Stelle halfen schwedische Erfahrungswerte.

Bis 1975 dauerte es , bis die gefallenen Bäume beseitigt waren und mit einer Waldneubegründung unter ökologischen Gesichtspunkten begonnen werden konnte. Eine schon vor dem Orkan begonnene Standortkartierung zeigte, welche Bäume unter den jeweiligen Boden- und Klimaverhältnissen wo gedeihen würden.

Maßgeblichen Anteil an der Aufforstung hatte ab 1978 der vor knapp einem Jahr in den Ruhestand verabschiedete Leiter der damaligen Revierförsterei Stühe, Johannes Steffens. Unter seiner Führung wurde der Fuhrenkamp zu einem Wald, der heute eine deutlich größere Vielfalt aufweist als vor dem Sturm: Neben Kiefern, Fichten, Douglasien und Lärchen wachsen dort heute Eichen und Hainbuchen. Auch der Naherholung und dem Artenschutz dient er inzwischen wieder. Jahrzehnte nach der Neubegründung sind dort Rehe, Hasen, Füchse sowie zahlreiche Vogel- und Amphibienarten zu beobachten.

„Das hatten wir gehofft“, sagt Johannes Steffens rückblickend über das Ergebnis der Aufforstung, „aber sicher waren wir uns nie.“


Spezial unter   www.nwzonline.de/sturm-katastrophe 
Karoline Schulz
Redakteurin, Agentur Schelling
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2745

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