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08.09.2018

Bookholzberg Die vielen Stammkunden der Avia-Station in Bookholzberg trauerten um ihren Enno, den im März verstorbenen Betreiber der Tankstelle an der Stedinger Straße. Seit einigen Monaten heißt es hier nun: „Moin Christian!“ oder „Ist Christian nicht da?“ Mit Christian Lenthe ist ein neuer Pächter gefunden worden, und auch unter seiner Leitung ist die Avia-Station ein beliebter Anlaufpunkt.

Christian freut sich auf die neue Herausforderung, denn er hat noch viele Pläne, die er hier verwirklichen möchte. Hätte er eine Entscheidung in seinem jungen Leben anders getroffen, so wäre er heute wohl nicht in Bookholzberg, sondern in der ganzen Welt unterwegs.

Seine Heimat ist das kleine Dorf Etelsen im Landkreis Verden, allerdings waren Christian und seine Eltern hier an Wochenenden nur selten anzutreffen. Mit drei Jahren war er zusammen mit seinem Vater und seinem Onkel bei einem Motocross-Rennen auf dem Nürburgring. „Gerne wäre ich auf ein kleines Motorrad geklettert, aber mein Vater hat mich nicht gelassen“, erinnert sich Christian. Von da gab es kein Halten mehr. Christian wollte Motocross fahren.

„In seinem Alter gab es noch keinen Rennanzug, da musste er mit einer Skibrille und Torwarthandschuhen vorliebnehmen“, erzählt Mutter Frauke. Sein Vater war sein erster Trainer, und schon mit fünf Jahren stand er nach einem Rennen ganz oben auf dem Treppchen. Als andere Kids gerade Fahrrad fahren konnten, saß Christian schon auf seiner Maschine und drehte in Höchstgeschwindigkeit seine Runden. Fast an jedem Wochenenden war Familie Lenthe mit dem Wohnmobil unterwegs und unterstützte ihren Sohn.

Bei einem Rennen in Gotha bekam er eine ganz besondere Motivation. „Wenn du hier gewinnst, dann bekommst Du den Siegerpokal von der hübschen, etwas leichtbekleideten Dame überreicht“, sagte sein Vater. Christian ließe sich die Gelegenheit nicht entgehen und gewann den Wertungslauf zur Deutschen Meisterschaft. Später war dieses Rennen entscheidend, dass er Deutscher Vizemeister werden konnte und das mit neun Jahren.

Seine Eltern investierten in die Leidenschaft des Sohnes viel Zeit und Geld. Im Laufe der Jahre waren es insgesamt 15 Motocross-Maschinen, die Christian bei den Rennen benutzte. Nach einem Lauf zur Deutschen Meisterschaft waren seine Hände wieder voller Blutblasen und Christian stellte sich die Frage: „Was mache ich eigentlich? Lohnt sich das alles?“ – Seine Antwort war „Nein.“ Er beendete seine Karriere im Alter von 16 Jahren. „Heute sehe ich diese Entscheidung mit gemischten Gefühlen, denn einige meiner damaligen Kollegen fahren heute als Profi Rennen in der ganzen Welt“, erzählt Christian mit etwas Wehmut.

Bei einem Interview mit Radio Bremen erzählte Christian, dass er einmal etwas mit Knieorthesen machen möchte, da diese im Motocross auch verwendet werden. Nach dem erweiterten Realschulabschluss in Stuhr-Brinkum setzte er sein Vorhaben in die Tat um und absolvierte eine Ausbildung zum Orthopädietechniker. Danach ging es vom kleinen Dorf Etelsen in die Großstadt Hamburg. Hier hatte er eine Stelle als Orthopädietechniker gefunden. „Es war schon eine große Umstellung für mich“, erinnert sich Christian. Neben der vielen Arbeit, besuchte er nach Feierabend die Meisterschule. Morgens um 6 Uhr begann sein Tag und endete oft nicht vor 23 Uhr.

Irgendwann wollte und konnte Christian nicht mehr. „Ich hatte mir einfach zu viel zugemutet!“ Er kehrte zu seinen Eltern zurück und nahm sich eine Auszeit. Ein erneuter Versuch in seinem erlernten Beruf scheiterte nach einem Jahr, weil sein Chef von Christians innovativen Ideen alles andere als begeistert war. Christian arbeitete auf der Tankstelle seiner Mutter und gleichzeitig tüftelte er an einer Erfindung.

„In meiner beruflichen Zeit hatte ich viel mit der Fuß-Orthopädie zu tun und wurde da oft mit Problemen konfrontiert, die viele Frauen kennen: Frau und hohe Schuhe lieben sich zwar, können jedoch nicht wirklich lange miteinander“, erzählt Christian. So entwickelte er eine spezielle Einlegesohle für hochhackige Damenschuhe. Zusammen mit einem Partner, der schon erfolgreicher Unternehmer war, gründete er die Firma „Lenthe & Licht KG“ und gab seiner Erfindung den Namen „Kinky-Ped’s“. In der Sendung „Taff“ auf Pro 7 wurden die „Kinky-Ped’s“ Testsieger und nun wurde die Nachfrage so groß, dass der Produzent nicht dagegen liefern konnte und sogar die Herstellung einstellte. „Das war schon sehr ärgerlich. Es dauerte über ein Jahr, bis wir einen neuen Produzenten gefunden hatten und der dann die Maschinen für die Herstellung eingerichtet hatte“, erzählt Christian Lenthe.

Da er beruflich auf zwei Beinen stehen wollte, kam der Tipp von seinem Steuerberater, dass in Bookholzberg eine Tankstelle neu zu verpachten sei, sehr recht. „Ich bin total begeistert“, schwärmt Christian.

Wenn bei den zwei Berufen noch Zeit bleibt, dann geht er gerne angeln. „Wenn es ihm dennoch einmal langweilig werden sollte, dann baut er Möbel“, sagt Lebensgefährtin Anette lächelnd.

Christian Lenthe,Pächter der Avia-Station in Bookholzberg

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