Ganderkesee - Die Achtklässler der Ganderkeseer Oberschule hätten die Urne am liebsten gleich nach der Wahl geöffnet: „Die wollten sofort wissen, wie sie abgestimmt haben“, berichtet Lehrerin Nicole Klarmann am Donnerstag. Die Konrektorin der Oberschule ist angenehm überrascht vom Interesse ihrer Klasse an der NWZ -Aktion „Schüler wählen“: „Richtig aufgeregt“ seien die Jugendlichen gewesen – andererseits aber auch noch wenig informiert über Politiker, Parteien und Programme, die am 20. Januar zur Wahl stehen.
Bei 14-Jährigen ist das nachvollziehbar. Die zwei Jahre älteren Zehntklässler in der 10a der Oberschule indes dürften bei Kommunalwahlen schon ihre Stimme abgeben. Doch ihre Begeisterung hält sich in Grenzen: „Ich kann warten, bis ich 18 bin“, sagt ein Schüler, „ich weiß auch noch gar nicht, für welche Partei ich mich entscheiden soll“. Nicht alle sehen das so: „Wenn man die Chance hat, mitzubestimmen, sollte man das tun“, findet Leonie. „Es geht ja auch um unsere Zukunft“, ergänzt Jana, „ich würde gern mit 16 wählen!“ Gabriel wiederum meint, „zwischen 16 und 18 ist kein großer Unterschied.“ Mitbestimmung ist den meisten wichtig, „aber wir wissen gar nicht genau, was die Politiker für uns machen können“.
„Die Schüler tun sich noch schwer mit politischen Inhalten“, hat Politiklehrer Jan Mielcke beobachtet. Das liege nicht nur am Alter, sondern auch an der Aufmachung und Sprache der Partei-Informationen. „Viele Floskeln“ hätten die Jugendlichen bei der Recherche entdeckt.
Andererseits, so Mielcke, habe er im Vorfeld der NWZ -Aktion festgestellt: „Wenn sie selber wählen können, setzen die Schüler sich mit dem Thema Politik viel intensiver auseinander.“ Dabei bleibe einiges hängen: „Für die politische Bildung ist das top!“
Mit der eigenen Stimmabgabe haben die meisten Jugendlichen es trotzdem nicht so eilig, das bestätigt auch die Klasse 9m des Gymnasiums Ganderkesee: „Ich würde wählen gehen, aber erst mit 18“, bekennt ein Schüler, für eine Klassenkameradin ist vor allem wichtig, „dass ich mich mit einer Partei identifizieren kann“. Allgemein als „nervig“ und „übertrieben“ wird Plakatwerbung empfunden, die Schüler informieren sich lieber im Internet.
Friedrich Behnsen, Lehrer für Deutsch und Politik am Gymnasium, hat mit der 9m in den vergangenen Wochen die Grundlagen des Wahlrechts erarbeitet, allerdings mehr theoretisch und weniger am praktischen Beispiel der bevorstehenden Landtagswahl. Die Aktion „Schüler wählen“ habe aber gezeigt, so sein Fazit: „Am Wählen haben die Jugendlichen großes Interesse!“
