Gaby Goetz (58), Schulleiterin der Grundschule Schierbrok, bezeichnet sich selbst als einen sehr humorvollen Menschen. Doch es gab mehr als nur einen Augenblick in ihrem Leben, da war ihr nicht zum Lachen zumute.
Ihre Eltern waren nach Vechta gezogen, eine katholisch geprägte Stadt. Gaby war wie ihre Eltern evangelisch – und das war der Grund, dass einige Eltern ihren Kindern verboten mit der kleinen Gaby zu spielen. „Da sind auch schon einmal Tränen geflossen, denn das konnte ich nicht verstehen“, sagt sie.
Gaby Goetz lernte früh schwimmen. Im Wasser war sie in ihrem Element. Mit 19 Jahren machte sie den Rettungsschein der DLRG und vor fünf Jahren auf den Malediven ihren Tauchschein. Mit einem Leuchten in den Augen erzählt sie von den Begegnungen unter Wasser.
Auch Musik spielt eine große Rolle in ihrem Leben. Wie viele begann sie mit der Blockflöte, und mit elf Jahren hatte sie ihr eigenes Klavier. „Wenn ich falsch gespielt habe, dann habe ich von meiner Klavierlehrerin schon einmal mit dem Lineal etwas auf die Finger bekommen“, erinnert sich Gaby Goetz. Im Streichorchester des Gymnasiums Vechta spielte sie die erste Geige. Heute spielt sie gerne auf ihrem E-Piano, am liebsten klassische Stücke, etwa von Bach oder Beethoven.
Von ihrer beruflichen Zukunft hatte sie lange keine Vorstellung. „Als Kind wollte ich immer Toilettenfrau werden, die hatten immer Geld in ihrem Teller“, erzählt Gaby Goetz lächelnd. Dann wollte sie Astronautin werden. Und während der Zeit in der Grundschule meinte sie: „Ich werde Lehrerin.“ Auf dem Gymnasium in Vechta war dieser Wunsch schon wieder vergessen. Da sie schon mit fünf Jahren eingeschult wurde, hatte Gaby Goetz kurz vor dem Abitur die Nase voll von der Schule und ging als Au-Pair nach London. Sie fühlte sich in ihrer Gastfamilie sehr wohl und spielte sogar mit dem Gedanken, ganz dort zu bleiben. Da ihr der Umgang mit den Kindern sehr gut gefiel, war der Beruf der Kindergärtnerin eine weitere Option. Nach zwei Jahren London fasste sie doch den Entschluss, ihr Abitur in Deutschland zu machen.
Da sie auch mit dem Abitur in der Tasche immer noch keine beruflichen Vorstellungen hatte, bekam sie von ihrer Mutter den Tipp, Ernährungswissenschaften zu studieren. An der Universität in Mönchengladbach hatte sie auch schon einen Studienplatz, doch es sollte zum Entsetzen ihrer Eltern alles ganz anders kommen: Gaby wurde schwanger und mit 21 Jahren stand sie vor dem Traualtar. Da sie mehrere Kinder wollte und der Altersunterschied nicht allzu groß sein sollte, kam nach Tochter Yvonne (35) auch bald Nadine (33). Drei Jahre später machte Tatjana (30) das „Mädel-Terzett“ komplett. „Ich war glücklich und zufrieden und habe nur für meine Kinder gelebt“, sagt Gaby Goetz.
Bei aller Freude über ihre drei Töchter, schlitterte die Ehe immer tiefer in eine Krise. Gaby Goetz machte sich um ihre Zukunft so ihre Gedanken und musste feststellen, dass sie keinen Beruf hatte. Was machen? – Sie war gerne mit Kindern zusammen und hatte in Vechta die Universität vor der Tür, wo ein Studium auf Lehramt angeboten wurde. „Ich weiß nicht, wie ich Studium und dazu meine drei Kinder geschafft habe, aber gerade meine Nachbarn haben mir sehr viel geholfen“, erinnert sich Gaby Goetz.
Nach dem Studium für Grund- und Hauptschule und dem Referendariat wollte sie als Lehrerin durchstarten. Die freien Stellen waren zu der Zeit äußerst knapp und so half Gaby Goetz ihrer Mutter in deren Naturkostladen, bis ein erlösender Anruf von der Schulbehörde kam. Sie konnte in der St.-Johannis-Schule in Bremen eine Teilzeitstelle übernehmen. „Manche Tage bin ich für zwei Unterrichtsstunden von Vechta nach Bremen gefahren und eine Strecke ist 75 Kilometer lang“, erzählt Gaby Goetz.
Das Jahr 2001 stellte für Gaby Goetz in mehrfacher Hinsicht die Weichen. Sie wurde von ihrem Mann geschieden, legte in Bremen die Prüfung zur Schulleitung ab und wurde Schulleiterin der Grundschule Sevelten/Elsten in Cappeln. Dann lernte sie 2002 ihren jetzigen Ehemann in Ganderkesee kennen. Hier hatte sie mit ihrem ersten Mann schon drei Jahre gewohnt. Um näher bei ihrem damals noch zukünftigen Gatten zu sein, wechselte sie als Schulleiterin an die Marienschule in Delmenhorst.
Da sie schon immer da arbeiten wollte, wo ihr Zuhause ist, bewarb sie sich 2016 auf die Stelle als Schulleiterin in Schierbrok. Lächelnd versicherte Gaby Goetz mir: „Ich werde meinen Ehemann und meine Schule bestimmt nicht mehr wechseln!“
Dirk Wieting
spricht mit
Gaby Goetz, Schulleiterin
