• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Ganderkesee

Eine starke Persönlichkeit

17.08.2019

Würde Annelore Einemann ein Buch über ihr Leben schreiben, so könnte der Titel lauten: „Manchmal war es nicht zum Lachen“, genau, wie das Buch von Heidi Kabel. So tief, wie die legendäre Ohnsorg-Schauspielerin mit Hamburg verwurzelt war, so ist es Annelore mit ihrem Heimatort Ganderkesee. In genau drei Wochen feiert sie ihren 90. Geburtstag. Bei dieser Gelegenheit blickt sie sicherlich auf die vielen und ereignisreichen Jahre zurück.

Annelore Wiegmann, so ihr Mädchenname, ist am Rande der Ortschaft Ganderkesee aufgewachsen. Die ersten Jahre ihrer Kindheit waren noch unbeschwert, dann aber bestimmte der Zweite Weltkrieg ihr Leben.

Weil ihr Vater eingezogen wurde, musste sie als Älteste von drei Geschwistern ihrer Mutter und ihrem Opa in der kleinen Landwirtschaft helfen. Nach der Schulzeit musste jedes Mädel ein sogenanntes „Pflichtjahr“ machen. Ihr „Pflichtjahr“ absolvierte sie bei der Bäckerei Tönjes in Ganderkesee. Ihren Berufswunsch hatte sie schon lange. Annelore wollte Friseurin werden, genau wie ihre Tante Sophie und Onkel Karl. Die hatten in Bremen einen eigenen Salon. Ihre Ausbildung begann am 1. April 1945 in einem Delmenhorster Friseursalon und dauerte zunächst nur drei Tage. Wegen der Kriegshandlungen konnte sie nicht nach Delmenhorst kommen.

Erst ab September 1945 setzte sie ihre Ausbildung fort. Sie fuhr mit dem Fahrrad nach Delmenhorst, allerdings nur für wenige Tage. Beim Besuch einer Tanzschule wurde ihr das Fahrrad gestohlen. „Ein neues Fahrrad, woher nehmen zu der Zeit?“, erinnert sie sich. Annelore fuhr mit dem Bus, später mit dem Zug. Dieser war schon um 6 Uhr morgens in Delmenhorst. Die junge Ganderkeseerin setzte sich in den Wartesaal vom Bahnhof und vertrieb sich die Zeit mit Stricken, bis ihr Ausbildungsbetrieb öffnete.

„Die schlimmste Zeit in meinem Leben waren die ersten Nachkriegsjahre. Ich hatte nur ein Paar Schuhe, zu kaufen gab es keine“, erzählt sie. Trotz der widrigen Umstände beendete sie ihre Ausbildung mit der Note „sehr gut“.

Ihre Gesellenjahre verbrachte sie unter anderem auch im Salon Schütte in Ganderkesee. Als sie in einer Fachzeitschrift eine Stellenanzeige von einem Friseursalon auf Spiekeroog las, bewarb sie sich dort und wurde angenommen.

„Es war zwar nur für drei Monate in der Urlaubssaison, aber es war eine tolle Zeit. Ich habe mehr Trinkgeld bekommen, als Lohn“, sagt sie lächelnd. Wieder zurück, arbeitete sie im Delmenhorster Salon Brinkmann und machte 1953 ihre Meisterprüfung. Zu der Zeit war sie schon mit ihrem Heino Einemann zusammen, und dessen Eltern beendeten gerade ihren Hausbau. „Die Handwerker schlugen vor, dass ich mit meinem Meisterbrief ja meinen eigenen Salon in einem der leerstehenden Räume eröffnen könnte“, erinnert sich Annelore. Sie folgte diesem Rat und eröffnete am 5. Dezember 1953 ihr Geschäft.

Unterstützung erhielt sie von ihrer Tante, die ihren Salon aufgegeben hatte. Der Laden lief so gut, dass im Sommer 1954 ein zweiter Raum dazu kam. Drei Jahre später folgte ein Anbau. 1955 führte Heino sie zum Traualtar. Das Ehepaar hatte in den ersten Jahren nur ein Zimmer im Haus der Schwiegereltern. 1958 wurde Tochter Marion, fünf Jahre später Sohn Udo geboren. Mittlerweile hatte die Familie die Oberwohnung bezogen. Heino Einemann war Gas- und Wasserinstallateur und machte sich 1964 selbstständig.

Wie damals üblich, übernahm seine Ehefrau auch den Part der Bürokraft. Friseurgeschäft, Sekretärin, Hausfrau, Mutter, das wurde selbst ihr zu viel. 1969 verpachtete sie den Salon. Als ihre zweite Pächterin 1988 verstarb, übernahm sie den Laden auf Wunsch der Mitarbeiter. Was als Übergang geplant war, dauerte neun Jahre. Da ihr Ehemann den Betrieb an Sohn Udo übergeben hatte, verpachtete sie den Salon erneut.

Annelore und Heino waren in vielen Vereinen aktiv. Sie gehörte zu den Gründungsmitgliedern vom TSV Ganderkesee, war 1959 in der ersten Fußgruppe beim Fasching dabei. Auch, als sich 1971 beim SV Ganderkesee, dessen Vorsitzender Heino war, die Damenabteilung formierte, war sie dabei Seit 13 Jahren muss sie ohne ihren Mann auskommen.

Bis heute nimmt sie am öffentlichen Leben des Ortes teil. So in einer Gymnastikgruppe, im Simeonkreis oder bei den Landfrauen. Sie spielt Doppelkopf und schrieb eine Geschichte und ein plattdeutsches Gedicht für das Buch „Senioren erinnern sich“. Spricht man von Ganderkeseer Persönlichkeiten, dann gehört Annelore Einemann in jedem Fall dazu.

Dirk Wieting spricht mit Annelore Einemann

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.