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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Ganderkesee

Schon früh fest im Sattel

13.04.2019

Es war schon beeindruckend zu sehen, mit welcher Ruhe Ina Tapken (49) ihren temperamentvollen Schimmel „Burghley“ zum Fototermin führte.

Pferde haben Ina ihr Leben lang begleitet. Ina Hegeler, so ihr Mädchenname, ist zusammen mit ihren beiden älteren Schwestern in Almsloh auf dem elterlichen Bauernhof aufgewachsen. Ihr Vater Günter Hegeler war ein äußerst erfolgreicher Reiter, der es bis zu den Europameisterschaften in der ländlichen Vielseitigkeit schaffte „Von meinem Vater und später auch von Horst Karsten habe ich das meiste gelernt“, bemerkt Ina.

Öfter unsanft gelandet

Die ersten Reitversuche machte Ina mit den Ponys in der Nachbarschaft. Dann ging es zusammen mit ihrer Schwester Heike zum Voltigieren. „Da ich die Kleinste war, musste ich bei einer Pyramide nach ganz oben“, erinnert sich Ina. Kam das Voltigierpferd aus dem Tritt, dann fielen Ina und ihre Kollegen auch schon einmal unsanft auf den Hallenboden.

Bis heute kommt es immer wieder vor, dass der Abgang vom Pferd unfreiwillig ist – das kann dann auch schmerzhaft sein. „Bis auf einige leichtere Gehirnerschütterungen ist es bei mir immer ganz gut ausgegangen“, erzählt Ina.

Gelernte Gärtnerin

Nach dem Realschulabschluss absolvierte sie zunächst eine Ausbildung bei Blumen Kessler in Delmenhorst als Gärtnerin. Ihr machte es nichts aus, wenn sie einmal länger arbeiten musste. „Ich gehe nicht, wenn die Arbeit nicht fertig ist!“, sagte Ina. So kannte sie es auch von Zuhause auf dem elterlichen Hof. Ihr Chef Julius Kessler war angetan und stand ein Reitturnier an, durfte Ina auch schon mal eine Stunde eher gehen. Wie bringt es Finley (15), Inas Sohn auf den Punkt? „Das Leben ist ein Nehmen und Geben.“

Nach ihrem Abschluss als Gärtnerin legte Ina auch gleich ihre zweite Ausbildung ab, als Pferdewirtin mit dem Schwerpunkt „Reiten“. Diese Ausbildung absolvierte sie zum Teil auf dem elterlichen Hof und zum Teil bei Dieter Drews in Lastrup. Nach dieser zweijährigen Ausbildung ging es sofort weiter und Ina ließ sich zur Pferdewirtschaftsmeisterin ausbilden.

Drei Monate in Australien

In der ganzen Ausbildungszeit hatte Ina keinen Urlaub machen können. So erinnerte sie sich an das Angebot von einem ihrer ehemaligen Reitschüler. Dieser kam aus Au­stralien und meinte: „Besuche mich doch einmal auf meiner Farm.“ 1991, da war Ina 22 Jahre jung, flog sie alleine für drei Monate nach Australien. Mit einem Bus erkundete sie das Land. „Obwohl es nur drei Monate waren, hat mir dieser Aufenthalt viel an Lebenserfahrung gegeben und dazu ist mein Englisch auch besser geworden“, schwärmt Ina. „Das würde ich jederzeit wieder machen.“

Dazu wird sie vielleicht bald Gelegenheit haben, denn ihre Tochter Rianti (17) plant nach ihrem Schulabschluss einen längeren Aufenthalt in Australien und dann könnte Ina ihre Tochter dort besuchen.

Seit 2017 Lehrbeauftragte

Seit November 2017 ist Ina Lehrbeauftragte beim Pferdesportverband Weser-Ems und unter anderem für die Ausbildung der Trainer zuständig: „Hier kann ich meine Erfahrungen weitergeben.“ Ihre Reitschüler und zukünftige Reitlehrer können von ihrem großen Erfahrungsschatz mehr als profitieren.

Ina selbst hat die klassische Laufbahn einer erfolgreichen Reiterin durchlaufen. So war sie zum Beispiel die erste Frau, die im Springparcours zusammen mit ihrem Pferd „Pagena“ den großen Preis von Rastede gewinnen konnte. Ihr Hauptaugenmerk lag aber in der ländlichen Vielseitigkeit, wo Ina von der Kreismeisterin bis zur Bundessiegerin alles erreichte.

Erster Höhepunkt waren die Europameisterschaften 1997. Hier konnte sie mit ihrem Schimmel „High Point“ die Bronzemedaille erringen und verfehlte eine Einzelmedaille nur knapp. In Ungarn bei den Europameisterschaften 2009 sollte es anders werden. Mit ihrem Pferd „London Return“ konnte sie nicht nur mit der Mannschaft Gold gewinnen, sondern auch im Einzelwettbewerb.

Pferde selbst ausgebildet

Was Ina Tapken aber so stolz macht: dass sie ihre Erfolgspferde wie „Pagena“, „High Point“ und auch „London Return“ alle selbst ausgebildet hat. Alle drei Pferde waren nicht in ihrem Besitz und so hatte sie auch keinen Einfluss darauf, dass „London Return“ nach England verkauft wurde. „Ich hatte die zukünftige Reiterin beim Kauf erlebt und ihr gesagt, dass sie nicht zu diesem Pferd passe.“

Die Pferdekennerin Ina Tapken sollte recht behalten. Sie kaufte das Pferd zurück, aber „London Return“ hatte sich verändert. „Bei meinem ersten Ritt nach seiner Rückkehr war ich schneller wieder unten, als ich aufgestiegen war“, erinnert sich Ina. Nur mit viel Geduld und Vertrauen bekam sie das Pferd wieder hin. Dann ging das Pferd zwischendurch auch in den Besitz von Sarah Connor, die schon als Kind bei Ina Reitunterricht genommen hatte.

Wieder in Almsloh zuhause

Nachdem Ina für einige Zeit für den Reitbetrieb beim Reiterverein Ganderkesee verantwortlich war, übernahm sie 2008 den elterlichen Hof in Almsloh, wo auch noch heute einige Pensionspferde stehen.

Eine Herzensangelegenheit ist für Ina die Reittherapie für Menschen mit Behinderung. Dafür hat sie eine Zusatzausbildung absolviert. „Für diese Reitschüler ist es ein großes Glück, wenn sie auf einem Pferd sitzen“, erzählt Ina und ihre Augen leuchten dabei. Gerade diese Reitstunden sind ihr eine Herzensangelegenheit.

Dirk Wieting spricht mit Pferdewirtschafts-meisterin Ina Tapken

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