Ganderkesee - Tagsüber hatte sie noch Ablenkung im Bremer Bürgerpark bei Blumenpracht und Jazz gesucht. Als 25 von 38 Wahllokalen ausgezählt waren, hielt sie es daheim nicht mehr aus. Starker App­laus hallte Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas dann am Sonntagabend im Rathaus entgegen. „Ein überwältigender Empfang“, sagt sie am Montag rückblickend.

Mit 77,02 Prozent (10 393 Stimmen) hatte sie sich bei der Direktwahl gegen Jens Gause (3101 Stimmen / 22,98 Prozent) durchgesetzt. „Ein ehrliches Wahlergebnis“, analysiert die parteilose Wahlsiegerin, die von CDU, SPD, FDP und Freien Wählern unterstützt wurde. Auch ihre persönliche Messlatte habe hier gelegen. Bei jedem Wahllokal, mit Ausnahme der Briefwahllokale, könne sie etwas zu den Gründen ihres Abschneidens sagen. Nur so viel: „Vor allem über die Bauerschaften habe ich mich sehr gefreut.“

Viele hätten ihr die Daumen gedrückt. Das lasse sich allein an der Zahl der SMS und Mails erkennen. Aber: Das Ergebnis sei im Team erarbeitet worden. „Ich bin glücklich, in diesem Rathaus arbeiten zu dürfen“, schließt die Verwaltungschefin alle Mitarbeiter in ihren Dank ein.

Auf die Idee des grünen Ratherrn Gause, mit Gerken-Klaas beim Kaffee einige Themen besprechen zu wollen, reagiert die Bürgermeisterin im NWZ -Gespräch zurückhaltend: „Dafür sind ja eigentlich die politischen Gremien da.“ Dort müssten sich die Parteien um politische Mehrheiten bemühen. Nicht ausgeschlossen, dass sich Gauses Ergebnis bei der Kommunalwahl in zwei Jahren widerspiegele.

Deutlich überrascht zeigt sich Gerken-Klaas vom Ausgang der Oberbürgermeister-Wahl in der Nachbarstadt Delmenhorst. Dort gelang es Axel Jahnz (SPD), mit 63,1 Prozent seine Mitbewerber Heidi Naujoks (CDU) und Amtsinhaber Patrick de La Lanne deutlich auf die Plätze zu verweisen.

Schon während seiner Amtszeit als Bürgermeister in Hude (1998-2014) habe sie sehr gut mit Jahnz zusammengearbeitet. „Doch die Fülle der Aufgaben, die auf den neuen Delmenhorster Oberbürgermeister zukommen, wird sowohl von der Quantität wie von der Qualität sehr hoch sein“, rechnet die Ganderkeseerin mit einer gewissen Einarbeitungszeit für den Kollegen. „Es gibt aber viele Schnittmengen mit Delmenhorst, die wir zusammen angehen können.“ Welche das sind, sagt Gerken-Klaas nicht; aber die von Gause ins Spiel gebrachte Delbus-Anbindung sei nicht erste Priorität.

Auch in Ganderkesee seien viele Themen „im Fluss“: Bereits am Mittwoch steht im Ausschuss für Soziales und Gesellschaft das Saunahuus auf der Tagesordnung. Projekte wie Famila-Parkpalette, Neuer Markt oder Freibad stehen ebenfalls auf der Agenda. „Noch vor der Sommerpause wollen wir den Nachtragshaushalt auf den Weg bringen“, kündigt die Bürgermeisterin an. Die Freude am Anpacken ist noch gestiegen.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent