Ganderkesee - „Der Fortschritt ist eine Schnecke“ – so hatte es einst Günter Grass mit Blick auf die sozialen Verhältnisse formuliert. Wolfgang Jüttner, Mitglied des Niedersächsischen Landtages und Gastredner beim Neujahrsempfang der SPD-Ortsgruppe Ost, griff dieses Bild auf. „Eine Schnecke kommt langsam voran, aber sie kommt voran. Das war in der Politik zuletzt nicht immer der Fall“, sagte Jüttner, und betonte, dass sich das „mit der SPD an der Spitze im Land wieder ändern soll“.

Rund 60 Zuhörer hatten sich am Sonntagmorgen im Gasthof Menkens versammelt, um eine Woche vor den Landtagswahlen am 20. Januar das neue Jahr einzuleiten. Und so war es wenig überraschend, dass Jüttner nach der Begrüßung des Ortsverbands-Vorsitzenden Fred Molde den aktuellen Wahlkampf in den Mittelpunkt seiner Rede stellte. Einführung eines Mindestlohns, um „das Leistungsprinzip in einer Demokratie aufrecht zu erhalten“, die Abschaffung der Studiengebühren, denn „Bildung muss kostenfrei sein“, oder das Streiten für mehr Gesamtschulen, um „eine größere und breitere Entwicklungsperspektive zu schaffen“ – Jüttner schwörte die Zuhörer noch einmal auf die Themen ein, mit denen die Partei in Niedersachsen die Wähler mobilisieren will.

Nach dem Vortrag von Jüttner richteten sich in kurzen Grußworten der Landtagsabgeordnete Axel Brammer und die Bundestagskandidatin Susanne Mittag an die Zuhörer.

Brammer erinnerte an „eine moralische Wende“, die in den vorigen Jahren auf dem Arbeitsmarkt stattgefunden habe. Der Arbeitnehmer stehe immer mehr unter Druck, weil er immer weniger freie Zeit habe, und verdiene dennoch oft einen zu niedrigen Lohn. „Ich habe Ängste, dass das unsere Gesellschaft kaputt macht“, sagte Brammer, und deswegen sei er „getrieben davon, das Gemeinwesen unter den Menschen wieder mehr zu fördern“. Zu aktuellen Themen im Oldenburger Land hielt Brammer sich zurück.

Mittag appellierte, „nun eine Woche lang noch einmal richtig Gas zu geben“.

Dass sich die Politiker derzeit keineswegs wie die von Grass zitierte Schnecke fortbewegen, zeigte der Verlauf des Vormittages. Jüttner rauschte nach Beendigung seiner Rede direkt zur nächsten Veranstaltung ab. Auch Axel Brammer und Susanne Mittag konnten den Empfang nur kurz besuchen. „Auf geht’s zum nächsten Termin“, sagte Axel Brammer – Wahlkampf ist eben kein Schneckenrennen.

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion