Stenum - Es fing gleich mit einer besonderen Herausforderung an: Der erste Patient war Kanadier – da geriet Fabian Dittrich mit seinem Schulenglisch schnell an seine Grenzen. Woher sollte er die medizinischen Fachbegriffe kennen? Und dann noch dieser Dialekt! „Inzwischen geht das aber schon ganz gut“, findet der 16-Jährige, nachdem der erste Monat seines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) in der Stenumer Fachklinik für Orthopädie vorüber ist.

Der junge Ganderkeseer hat sein Soziales Jahr auf der Station 1 begonnen, wo die ausländischen Patienten liegen. Am Ende werde er ausgezeichnet Englisch sprechen, da sind sich Pflegedienstleiterin Ingeburg Masukowitz und Kliniksprecherin Daniela Wolff einig. Schließlich haben sie schon Dutzende FSJ’ler in Stenum betreut.

Zurzeit sind es drei, außerdem eine „Bufdie“: Franziska Böttjer absolviert ihren ebenfalls einjährigen Bundesfreiwilligendienst in der Fachklinik. Ebenso wie Fabian Dittrich und die anderen beiden FSJ’ler, Nicole Schönhals und Laura Otten, hat sie sich beim Diakonischen Werk der Oldenburgischen Landeskirche beworben – und bekam die Stelle in ihrer Heimatgemeinde. In Stenum war die 17-Jährige keine Unbekannte: Sie hatte dort schon im Januar ein dreiwöchiges Praktikum absolviert, als sie noch die Berufsfachschule für Hauswirtschaft und Pflege besuchte. Durchs Praktikum finden viele junge Leute den Weg ins Soziale Jahr – und von dort oft weiter in die Ausbildung.

Während die Aufgaben der Praktikanten sich weitgehend auf Zuschauen und Reinigungsarbeiten beschränken, übernehmen FSJ’ler und „Bufdies“ auch Pflegeaufgaben mit direktem Patientenkontakt: Neben Gesprächen und Versorgung gehören hygienische Tätigkeiten dazu. „Da gab es Hemmschwellen“, gibt Fabian Dittrich zu, etwa als er erstmals mit Intimpflege konfrontiert war. Doch in der täglichen Praxis verlieren sich Berührungsängste schnell.

„Das ist das Schöne am FSJ“, sagt Franziska Böttjer, „dass man hier nicht nur gucken darf, sondern richtig mithelfen“. Sie fühle sich in dem Beruf, den sie nach dem Sozialen Jahre erlernen möchte, schon jetzt „ernst genommen“. Und Ingeburg Masukowitz ergänzt: „Die jungen Leute bekommen in dem einen Jahr schon einen umfassenden Einblick in die Krankenpflegeausbildung.“

Mit allem, was dazu gehört – auch dem Wohnen am Arbeitsort, fern vom Elternhaus. Nicole Schönhals ist im emsländischen Werlte zu Hause. Sie wohnt wochentags auf dem Klinikgelände, hat ein Zimmer im ehemaligen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ). Die 19-Jährige hofft, dass sie mit dem FSJ bessere Aussichten auf eine Ausbildung in der Krankenpflege hat. Dann aber nicht in Stenum – weil die Fachklinik auf Orthopädie spezialisiert ist, darf sie nicht ausbilden

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)