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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Ganderkesee

Als Bildung nebenan vermittelt wurde

20.07.2019

Ganderkesee Schule ist nicht gleich Schule: Die heutige klassische Aufteilung von Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien existiert tatsächlich erst seit den 60er Jahren. Davor gab es die Volksschule – eine Schule für alle Kinder.

Anders als heute war diese aber nicht darauf ausgelegt, alle Schüler der Region in einem zentralen Komplex zu unterrichten. Stattdessen hatten viele Bauerschaften eine eigene, oft sehr kleine Schule, die unmittelbar ins Dorfleben integriert war. Das änderte sich Ende der 60er Jahre.

Bildung nur für Obere

Die Vorläufer der Volksschule entstanden auf deutschem Gebiet im Spätmittelalter und der Reformationszeit, unterrichteten aber lediglich die Söhne der Oberschicht. Das schulische Wesen war direkt mit der Kirche verbunden – der Katechismus bildete die Grundlage des Unterrichts.

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte bildete sich eine Vielfalt an verschiedenen Kloster-, Standes-, Gemeinde-, und Schreibschulen, die jedoch nicht mehr alle in Kirchenhand waren. Im Oldenburger Land wurden im 16. Jahrhundert neue Verfügungen für das ländliche Schulwesen erlassen, jedoch mussten Einwohner die Bildung ihrer Kinder selbst bezahlen.

1543 wurde im Ort Ganderkesee Im Knick eine Küsterschule gebaut. Kirchdörfer waren in dieser Zeit durch die Bildung ihrer Pfarrer und Küster schulisch gut aufgestellt. Zeitgleich bildete sich im ländlichen Raum aber eine große Zahl von sogenannten Winkel- oder Klippschulen.

Schulen selbst gebaut

Diese waren private Einrichtungen, die von den Anwohnern unterhalten wurden. 1658 entstanden die ersten Ganderkeseer Klippschulen in Bergedorf, Grüppenbühren und Hengsterholz. Unterrichtet wurde von Handwerkern und Brinksitzern (Kleingrundbesitzern) für ein karges Gehalt, hauptberufliche Lehrer gab es damals nicht.

Zwischen den Klipp- und Küsterschulen herrschte große Konkurrenz, da jedes Schulkind eine Einnahme bedeutete. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts betrug das Schuldgeld für ein Ganderkeseer Kind 18 Groten (Kleingroschen) oder ein Viertel Taler – heute umgerechnet weniger als 10 Euro.

Im Jahr 1706 wurde der Schulbesuch für alle Kinder im Oldenburger Land zur Pflicht gemacht. 1734 verzeichnete Ganderkesee bereits 15 Schulen. In Habbrügge wurden in dem Jahr 29 Kinder unterrichtet, 26 in Bürstel und 43 in Dingstede.

Im 18. Jahrhundert reformierte Preußen das Schulwesen und führte acht Jahre Unterricht ein, der Begriff Volksschule tauchte zum ersten Mal auf. Im 19. Jahrhundert wurde diese reichsweit zur verbindlichen Schulform. Johann Heinrich Brüggemann verließ Bürstel 1847 als letzter Ganderkeseer Lehrer ohne Seminarausbildung, die seit 1793 in Oldenburg stattfand.

Volksschulen unterrichteten Kinder acht Jahre lang in Lesen, Schreiben und Rechnen. Immer noch mussten die Eltern Schulgeld zahlen, die Höhe war regional aber unterschiedlich. Offiziell abgeschafft wurde dieses erst in der Weimarer Republik, die Volksschule selbst veränderte sich kaum. In der Verfassung von 1919 heißt es: „Es besteht allgemeine Schulpflicht. Ihrer Erfüllung dient grundsätzlich die Volksschule mit mindestens acht Schuljahren und die anschließende Fortbildungsschule bis zum vollendeten achtzehnten Lebensjahre.“

Volksschule hält sich

Im Dritten Reich wurden neue Mittel- und Hauptschulen etabliert, deren Besuch aber eine besondere Empfehlung benötigte. Volksschulen bestanden nahezu unverändert auch über den Zweiten Weltkrieg hinweg bis in die Besatzungszeit.

Um das Schulwesen der Bundesrepublik Deutschland zu vereinheitlichen, verabschiedeten die Ministerpräsidenten der Bundesländer 1964 das sogenannte Hamburger Abkommen, das bis heute Grundlage des deutschen Bildungssystems ist. Für die Volksschulen bedeutete es aber das Aus: Bundesweit wurden nahezu alle von ihnen zwischen 1968 und 1974 geschlossen, eine Handvoll blieb als Grundschule erhalten.

Für das Dorfleben in Ganderkesee hatte das große Auswirkungen. Die NWZ wird in dieser Serie deshalb nicht nur alte Schulen betrachten, sondern auch ehemalige Schüler fragen, wie der Unterricht aussah, als es nebenan noch eine Schule für alle gab.

Arne Haschen Volontär, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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