GANDERKESEE - SPD-Ortsvereinsvorsitzender Andreas Kowitz redete nicht um den heißen Brei herum. „Miserabel“ seien die 26,22 Prozent (2004: 27,43), die die SPD bei der Europawahl in „der SPD-Hochburg“ Ganderkesee erzielte. Doch die Wahl habe ein noch größeres Problem deutlich gemacht, und das betreffe alle Parteien: Europa ist „weit weg“ von den Menschen, der Wahlkreis zu groß, das verbreitete Desinteresse kumuliere mit Enttäuschung über Politik der Großen Koalition in Berlin. Kowitz’ Forderung: Bei der nächsten Europawahl „muss Europa vor Ort mehr präsent sein“.

Katerstimmung auch bei Freien Wählern/UWG: Sie kamen in Ganderkesee auf 1,22 Prozent. Es sei der UWG noch immer nicht gelungen klarzumachen, dass sie hinter dieser Bezeichnung „Freie Wähler“ stehe, die da „ganz unten auf dem Wahlzettel“ rangierte (Liste 27), vermutet Vorsitzender Peter Schierloh. Und: Es sei ein Nachteil, nicht in Hannover, Berlin oder Brüssel vertreten zu sein. Das fange schon bei der Informationsbeschaffung an.

Ganz anders die Gefühlslage bei den Grünen: „Sehr zufrieden“ zog Vorsitzender Oscar von Ewald sein Wahlfazit, obwohl mit 11,28 Prozent der Wert von 2004 (11,65) nicht ganz erreicht wurde. „Unheimlich zurückhaltend“ sei man mit der Plakatierung gewesen, aber das habe offenbar nicht geschadet. Von Ewald vermutet auch Zusammenhänge zur Kommunalpolitik: Da, wo die Enttäuschung in Sachen Gesamtschule groß sei, seien die Grünen stark.

Solche Zusammenhänge sieht FDP-Vorsitzende Marion Daniel nicht. Auch die Turbulenzen innerhalb des liberalen Kreisverbandes „hatten keine Auswirkungen auf das Ergebnis“, ist sie überzeugt. Ohnehin seien die Turbulenzen „parteiintern, und das klären wir auch parteiintern“. 13,41 Prozent konnte die FDP verbuchen, das bedeutete ein sattes Plus gegenüber 2004 (9,26). Wenn der Trend anhalte, könne auch der 18-Prozent-Traum vielleicht doch ein Ziel sein.

Die größten Verluste gegenüber 2004 fuhr die CDU ein: 36,61 Prozent bedeuten ein Minus von 6,64 Prozent. Trotzdem sei das „ein gutes Ergebnis“, sagte Gemeindeverbandsvorsitzender Hans-H. Hubmann. Die Europawahl 2004 sei vor dem Hintergrund der damaligen, „ziemlich desolaten Regierungssituation“ (in Berlin) zu sehen gewesen. Was für ihn wichtig ist: Trotz Wirtschaftskrise und auch lokaler Probleme habe sich das „bürgerliche Lager“ (CDU und FDP) in Ganderkesee „hervorragend gefestigt“ und komme auf mehr als 50 Prozent.