Ganderkesee/Delmenhorst - Vor fast genau einem Jahr eröffnete in Ganderkesee, gleich neben dem Rathaus, der „Kornkraft Bioladen“. Vom ersten Tag an mit dabei ist die Filialleiterin Thale Wiechmann (54). Mit ihrer herzerfrischenden Art und ihrer enormen Fachkenntnis begeistert sie ihre Kunden. Jeder merkt sofort: Thale ist mit viel Herzblut dabei. Dass es so gekommen ist, hat sie im Grunde ihrem Ehemann Torsten zu verdanken. Seinetwegen kehrte sie vor drei Jahren in ihre alte Heimat zurück. „Mein Mann hat mich im doppelten Sinne nach Hause geholt“, lächelt Thale Wiechmann.

Bis dahin ging ihr Lebensweg nicht immer geradeaus. Die ersten vier Jahre verbrachte Thale Hespos, so ihr Mädchenname, in Zeven. Da ihr Vater als Lehrer an einer Schule in Delmenhorst unterrichtete, wurde die Stadt an der Delme zu ihrer neuen Heimat. Bei ihrem „Opa Karl“, wie sie ihn liebevoll nannte, bekam sie Klavierunterricht. Und es gab fast nichts Schöneres, als mit „Opa Karl“ in den Wald zu gehen und sich von ihm die Vogelstimmen erklären zu lassen.

Ihr Wunsch nach einem eigenen Tier blieb aber zunächst unerfüllt. Dafür durfte sie Reitunterricht nehmen. Eher durch Zufall besuchte Thale mit ihrer Mutter einen Markt und dort bot eine Familie kleine Hundewelpen zum Verkauf an. Einer dieser Welpen blickte Thale mit so treuen Augen an, dass Thale ihn nicht wieder loslassen wollte. Ihre Mutter konnte da nicht mehr Nein sagen. „Viele Jahre war ,Teddy’ der Liebling der ganzen Familie“, erinnert sich Thale.

Nach der Realschule wechselte sie auf das Max-Planck-Gymnasium. Sie wollte Tierärztin werden und machte ihr Schulpraktikum bei einem Tierarzt für Großtiere. Einer der Landwirte meinte: „Sie als Tierärztin würden wir nicht rufen, Sie sind eine Frau.“ Da brach für Thale eine kleine Welt zusammen.

Was tun? Ihr Vater Hans-Joachim Hespos war mittlerweile ein berühmter Komponist, er hatte unter anderem eine Oper geschrieben und komponiert. „Da ich ganz gut zeichnen konnte, kam ich auf die Idee, Bühnenbildnerin zu werden und die Bühnenbilder für Vaters Werke zu entwerfen“, erzählt Thale.

Nach dem Abitur studierte sie in Marburg afrikanische Sprachen. Als eineinhalb Jahre später dieser Fachbereich aufgelöst wurde, wechselte sie an eine Universität in Hamburg. Hier gefiel es ihr nicht sonderlich und nach gut zwei Jahren brach sie das Studium ab. Ein Grund dafür war auch die Liebe. Ihr damaliger Lebensgefährte war auf einem Bio-Hof beschäftigt. Davon war Thale so begeistert, dass sie einen Vertrag für drei Jahre unterschrieb. In dieser Zeit sammelte sie Erfahrung im ökologischen Gemüseanbau, in der Tierhaltung und im Verkauf der Bio-Produkte.

Das Paar hatte einen großen Traum: Ein Jahr Norwegen. Dazu musste das nötige Kleingeld verdient werden. Nach dem Bio-Hof arbeitete Thale deshalb beim Otto-Versand. Doch dann erkrankte ihr Lebensgefährte schwer und die Norwegen-Tour blieb ein Traum. Sie wechselte die Arbeitsstelle und machte in einem Reformhaus eine Ausbildung zur Fachberaterin. Nach gut zwei Jahren brach sie die Ausbildung ab. Dazu musste sie den Tod ihres Lebensgefährten verkraften.

Als Verkäuferin arbeitete sie in einem Bio-Laden in Hamburg. Hier hatte sie nicht nur einen Arbeitsplatz, der ihr sehr gut gefiel, auch im privaten Bereich lachte die Sonne wieder. Der Inhaber des Bio-Ladens wurde ihr Lebenspartner und 1996 wurde Sohn Mirco geboren. Aber gleich nach der Geburt ging die Beziehung in die Brüche. Thale machte zunächst Erziehungsurlaub und kümmerte sich nur um ihren Sohn, bevor sie wieder in einem Bioladen arbeitete.

Während dieser Zeit lernte sie ihren ersten Ehemann kennen. In Fernlehrgängen machte Thale eine Ausbildung zur Naturkostfachberaterin und zusätzlich zur Ernährungsberaterin. Beruflich lief alles nach Plan, aber privat zogen wieder dunkle Wolken auf. Es folgte die Trennung vom Ehemann. Zwei Jahre lebte sie mit ihrem Sohn Mirco alleine in Hamburg. „Irgendwo muss doch der Mann für mich sein“, sagte sich Thale Wiechmann. Im April 2013 schaute sie sich wieder einmal im Internet um und traute ihren Augen nicht: In einer Partnerbörse entdeckte sie ihre Jugendliebe, Torsten Wiechmann aus Delmenhorst. Schon nach einigen Wochen kam es zum ersten Treffen und drei Monate später standen beide vor dem Traualtar.

Die ersten eineinhalb Jahre wurde gependelt, weil Thale bei ihrem Sohn bleiben wollte, der gerade eine Ausbildung begonnen hatte. Mirco war es, der sie ermutigte, nach Delmenhorst zu ziehen. „Es war schon ein ungutes Gefühl, meinen Sohn zu verlassen, aber er hat es toll gemeistert“, erzählt die stolze Mutter.

Zunächst arbeitete sie im Delmenhorster Bioladen „Aleco“, bevor sie vor einem Jahr genau die Stelle bekam, die sie immer gesucht hatte. In ihrer Freizeit engagiert sie sich unter anderem in der Steuerungsgruppe „Fairtrade Gemeinde“, denn Umweltschutz und Fairness sind für Thale Wiechmann ein großes Anliegen.

Thale Wiechmann, Leiterin der Kornkraft-Niederlassung in Ganderkesee.