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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Ganderkesee

Schnack am Wochenende: Geschichte eines Friseurs

07.04.2018

Ganderkesee /Delmenhorst Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte. Wie eindrucksvoll so eine Geschichte sein kann, hat mein Gespräch mit Hassan Falmaz (32) bewiesen: Als kleiner Junge geflüchtet und heute Besitzer eines Friseursalon in Ganderkesee.

Hassan stammt aus Quamischli, einer Stadt im Nordosten Syriens. Dort hatten er und seine drei älteren Geschwister ein unbeschwertes Leben. Die Familie besaß ein Haus und der Vater verdiente als Rechtsanwalt nicht schlecht. Die politische Lage änderte sich. Zunehmend wurden Kurden, zu denen auch Familie Falmaz gehört, verfolgt. Da sein Vater sich dem System nicht immer beugen wollte, gaben ihm gute Freunde den Rat, zur eigenen Sicherheit das Land zu verlassen. Familie Falmaz kaufte Tickets und verließ das Land per Flugzeug. Als Hassan sich von seiner geliebten Oma verabschiedete, wusste er nicht, dass es für immer sein sollte. Über die Türkei ging es nach Deutschland – und hier gleich zur zentralen Stelle für Auswanderer ins Kloster Blanckenburg nach Oldenburg. Dort angekommen, war alles Geld verbraucht. „Wir hatten nichts“, erinnert sich Hassan, der damals sieben Jahre alt war. Die sechsköpfige Familie musste sich ein Zimmer teilen. „Für mich als kleiner Junge war es wie ein Abenteuer“, erzählt Hassan.

Nach einem halben Jahr ging es in eine ehemalige Kaserne nach Delmenhorst-Deichhorst. In einem Haus wohnten auf jeder Etage zehn Familien, die sich Dusche und Küche teilen mussten. „Wir bekamen pro Person 20 Mark im Monat und dazu Gutscheine für Essen und Kleidung“, sagt Hassan. Seine Eltern hatten sich alles viel einfacher vorgestellt. Hassan ging wie seine Geschwister zur Schule. Schnell lernten sie die deutsche Sprache. Nach drei Jahren in der Kaserne zog Familie Falmaz in eine Wohnung im Delmenhorster Wollepark. Die Kinder fanden schnell Freunde. Da Hassan ein sehr guter Fußballer war, spielte er in der Mannschaft des TuS Hasbergen im Sturm. Er besuchte die Orientierungsstufe und dann die Realschule an der Holbeinstraße. „Meine Eltern durften während der ganzen Zeit nicht arbeiten. Für sie war das eine harte Zeit, aber sie ließen es uns nicht spüren“, bemerkt er.

Nach viereinhalb Jahren konnte die Familie endlich in eine eigene Wohnung ziehen. Der Vater machte den Führerschein, damit er den Lebensunterhalt als Taxifahrer verdienen konnte. Hassan fühlte sich in Delmenhorst wohl, hatte viele Freunde und brachte gute Noten mit nach Hause. Sein älterer Bruder hatte eine Ausbildung zum Friseur gemacht. Weil Hassan das gefiel, begann auch er 2004 in einem Delmenhorster Salon eine Friseur-Ausbildung. „Hier habe ich selbst erlebt, was es heißt: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Damals habe ich geschimpft, heute verstehe ich es.“ Sein Bruder hatte mittlerweile einen eigenen Salon und benötigte Hilfe. Da Brüder sich gegenseitig unterstützen, beendete Hassan seine Ausbildung bei ihm und blieb auch dort. Mit seiner damaligen Freundin ging er 2008 einmal zum Eisessen nach Ganderkesee. „Warum nach Ganderkesee, das weiß ich bis heute nicht. Ich war vorher noch nie in Ganderkesee“, erzählt Hassan. In einem Ladengeschäft entdeckte er das Schild „Zu vermieten“. „Ich habe sofort mein Handy genommen, bei der angegebenen Telefonnummer angerufen und mich nach den Konditionen erkundigt“, sagt Hassan. Seine Freundin meinte nur: „Du bist verrückt.“ Hassan war damals gerade einmal 22 Jahre alt. Große Unterstützung bekam er von Bruder und Vater. „Du bist jung, wenn es nicht klappen sollte, kannst du immer wieder aufstehen“, gab ihm sein Vater mit auf dem Weg.

Am 1. Oktober 2008 eröffnete er am Ring 1 seinen eigenen Friseursalon. Dort arbeitete er zunächst mit einem Auszubildenden. Da Hassan noch keinen Meister hatte, konnte er ihn nur mit einer Sondergenehmigung beschäftigen. 2010 besuchte er dann die Meisterschule. „Das war eine harte Zeit, denn neben dem anspruchsvollen Kursus hatte ich meinen Salon und spielte noch Fußball“, blickt er zurück. Heute hängt sein Meisterbrief an der Wand und das Team vom „Friseur-Falmaz“ besteht aus sechs Personen. Die gute Arbeit machte die Runde: Zu den Stammkunden gehört Sarah Connors Familie, die in Ganderkesee und in der Nähe lebt. Als Delmenhorster hat Hassan sein berufliches Glück in Ganderkesee gefunden.

Hassan Falmaz,Inhaber eines Friseursalons in Ganderkesee.

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TuS Hasbergen | Delmenhorst | Meisterschule

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