GANDERKESEE - Eigentlich waren sich alle einig: Die Inklusion muss kommen, und sie muss bereits im – von der Politik bislang noch weitgehend ausgeklammerten – Bereich der frühkindlichen Bildung selbstverständlich werden. Allein es fehlt am konkreten Plan, wie die Umsetzung erfolgen kann. Das machte die Diskussionsrunde deutlich, zu der der Arbeitskreis für Selbsthilfe- und Initiativgruppen der Gemeinde Ganderkesee (A.S.G.) für Montagabend hiesige Landtagsabgeordnete aller Fraktionen aufs Podium im Ratssaal gebeten hatte. Kreszentia Flauger (Linke) hatte allerdings kurzfristig absagen müssen.
Das Thema ist brandaktuell – und in Ganderkesee offenbar noch stärker im Fokus als an vielen anderen Orten im Land, wie Ina Korter (Grüne) feststellte. „Üblicherweise kommen zu diesem Thema 20 bis 30 Zuhörer“, so die Abgeordnete. In Ganderkesee waren es rund 80.
Einig waren sich die Politiker auch darin, dass eines der wichtigsten Ziele der Diskussion um die Inklusion eine Bewusstseinsänderung in der Bevölkerung sein müsse. Noch würden sich Behinderte in einem „Paralleluniversum“ bewegen, in dem sie zwar gut versorgt, aber ausgegliedert seien, formulierte eine Besucherin. Es gelte, Eltern nicht-behinderter Kinder klar zu machen, dass inklusive Pädagogik keineswegs Nachteile für ihr Kind bedeute, sondern das Gegenteil. „Eltern müssen erkennen, dass sie ihren Kindern etwas vorenthalten, wenn sie ihnen den Besuch inklusiver Einrichtungen verweigern“, sagte Christian Dürr (FDP). „Soft Skills werden nicht erst an der Uni gelehrt.“
Bei der zeitlichen Umsetzung der Inklusion ist ein Rahmen gesteckt, wenigstens im schulischen Bereich: Am 1. August starten die Grundschulen in der Eingangstufe. Eine zügige Umsetzung auch in Krippen und Kitas forderte Axel Brammer (SPD). „Es ist allerhöchste Zeit!“ Ansgar Focke (CDU) betonte, dass Erzieher in Krippen und Kitas dabei nicht allein gelassen werden dürften. Die Politik müsse jetzt einen Handlungsplan für sie erstellen.
Fraktionsübergreifende Einigkeit herrschte auch in puncto Fachkräftemangel: Demnach sei es zum einen wichtig, die Ausbildung von Sonderpädagogen zu fördern, zum anderen müsse vorhandenes Personal durch berufsbegleitende Qualifizierungskurse fit für die neuen Herausforderungen gemacht werden.
Das Schlusswort hatte Landesbehindertenbeauftragter Karl Finke: „Parallelsysteme können sich nur reiche Kommunen leisten.“
