Ganderkesee - Unter sengender Sonne wird die Feldarbeit schnell anstrengend: „Unsere Helfer schicken wir heute wohl eher nach Hause“ sagt Markus Wempe. Aber auch wenn derzeit günstige Bedingungen herrschen, erwartet der Erdbeerbauer keine Spitzensaison – zumindest nicht für Erdbeeren vom Freiland.
Spargel hatte gutes Jahr
Der Spargel hatte dagegen ein sehr gutes Jahr, sagt er, trotz des zeitweise kühlen Wetters. Besonders das Interesse an den Anbaumethoden sei bei Kunden größer geworden, viele wollen gerne einen Blick auf die Felder werfen. „Am 24. Juni ist offiziell Ende. Eine Fläche stechen wir wohl noch bis zum 27., dann ist Feierabend“, schätzt Wempe.
Das gilt auch für die Erntehelfer beim Spargel, denn für Erdbeeren, die jetzt Saison haben, beschäftigt er eine ganz neue Truppe an Helfern: „Da habe ich lieber Frauen, weil die gefühlvollere Hände haben“, sagt Wempe schmunzelnd.
Frost als Einschränkung
Mit der Erdbeerernte wurde auf dem Hof in Neu-Holzkamp bereits sehr früh begonnen. „In den Gewächshaustunneln sind wir seit fast sieben Wochen am Pflücken“, sagt Wempe. Der geschützte Anbau sei sehr aufwendig, die Erträge aber merklich höher. „Die Setzlinge sehen sehr gut aus und haben dann sechs bis sieben Blütenstände“, erklärt Wempe, „während andere Pflanzen vielleicht nur zwei oder drei haben.“
Im Herbst wurden die speziellen Setzlinge, die aus Italien stammen, gepflanzt. Noch rund zwei Wochen lang werden ihre Früchte geerntet. „Die Pflanzen ziehen wir dann aus dem Substrat heraus und ersetzen sie durch andere Pflanzen aus dem Kühlhaus, für die zweite Ernte“, sagt Wempe.
Der Aufwand mit den Tunneln hat neben den hohen Erträgen noch andere Vorteile: Der Einsatz von chemischen Schutzmitteln kann vermieden werden und die Ernte ist weniger wetterabhängig. „Bei Tunneln muss man weniger Angst haben, wenn es mal ein echtes Unwetter gibt“, erklärt Wempe. Das Substrat, nachdem zwei Generationen Erdbeerpflanzen geerntet wurden, verwendet er anschließend für Heidelbeeren weiter.
Im Bereich der Freilanderdbeeren erwartet Wempe kein besonders gutes Jahr. „Im Frühjahr gab es viel Frost. Wir mussten auf dem Großteil der Flächen Vlies verlegen und das auch lange liegen lassen.“ Das habe dann wiederum die ersten bestäubenden Insekten abgehalten. „Aus solchen Phasen entstehen dann ,Krüppelfrüchte’“, erklärt Wempe, „die sind absolut in Ordnung, sehen aber nicht schön aus.“ Der Frost sei daher in diesem Jahr für ihn ein limitierender Faktor im Bereich der Erdbeeren.
Mehr Direktvermarktung
Für das kommende Jahr plant er bei den Freiflächen einige Veränderungen. „Der Aufwand, den wir für unsere Kunden im Großhandel haben, wird immer höher, die Preise werden aber immer geringer“, sagt Wempe. Zusätzlich sei es extrem schwierig geworden, ausreichend Erntehelfer fürs Freiland zu finden. „Das wird in Zukunft noch ein Riesenproblem.“
Aus diesem Grund will Wempe in 2020 seine Freilandflächen halbieren. „Wir machen es dann komplett anders“, blickt er voraus. Statt Erdbeersorten anzubauen, die für Supermarktketten möglichst lange haltbar sein müssen, will er stattdessen geschmacklich intensivere Sorten pflanzen. „Wir wollen uns dann mehr auf die Direktvermarktung konzentrieren.“
Zusätzlich soll es wieder Felder zum Pflücken für die Kunden geben. „Wir hatten das einige Jahre nicht mehr und Kunden fragen uns immer wieder danach, deshalb wollen wir das jetzt noch einmal probieren.“ Dafür sollen im Herbst bereits neue Parkflächen angelegt werden.
