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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Ganderkesee

Für den Job weit gereist

28.04.2018

Ganderkesee An schweren Tagen erkennst du, wer deine wahren Freunde sind – auch Heike Lohse (50) musste diese bittere Erfahrung machen. Heute sieht sie die Welt ein Stück weit mit anderen Augen. An ihre Kindheit denkt sie gerne zurück. Die ersten sieben Monate ihres Lebens verbrachte Heike Raschkewitz in Ganderkesee, bevor die Familie ihren Wohnort nach Delmenhorst verlegte.

Da sie mit der Tochter des bekannten Reiters Horst Karsten befreundet war, verbrachte Heike viel Zeit im Reitstall und beim Voltigieren. Sie war in ihrer Jugendzeit sportlich sehr aktiv, besonders das Bodenturnen hatte es ihr angetan. Beruflich wollte sie, wie ihr Vater, zur Polizei gehen. Das änderte sich schlagartig, als sie in den Ferien im Friseursalon Engler mithelfen durfte. Als sie ihren Eltern eröffnete: „Ich werde Friseurin“, war ihr Vater alles andere als begeistert. Heike setzte sich durch und machte nach dem Realschulabschluss bei Engler ihre Ausbildung.

Noch heute schwärmt sie von ihrer ehemaligen Chefin: „Hier habe viel gelernt. Unsere Chefin war streng-fair und gerecht. Sie ist auch noch heute ein Vorbild für mich.“ Nach ihrem Abschluss wollte Heike ihren Traum verwirklichen und als Friseurin auf einem Traumschiff arbeiten. Sie bewarb sich bei der entsprechenden Firma, die neben dem Salon auf der MS Europa noch viele Filialen in Deutschland hatte. Die Freude war groß, als sie die Zusage in Händen hielt. Allerdings war die Freude nicht von langer Dauer, denn zu arbeiten und gleichzeitig durch die Weltmeere fahren, das war ihr nicht vergönnt.

Zunächst arbeitete Heike in einer Filiale in München und schon nach vier Monaten wurde sie nach Lindau am Bodensee versetzt. „Dort hatten wir viele Kunden aus Österreich und von denen gab es kaum oder gar kein Trinkgeld“, erzählt Heike. Inzwischen hatte Heike einen Freund, mit dem zog sie nach Nürnberg. Nach einiger Zeit war es nichts mehr mit diesem Freund und Heike sehnte sich nach ihrer Heimat.

Zwei Jahre arbeitete sie in einem Salon in Heide, bevor sie in Oldenburg die Meisterschule besuchte. Als frischgebackene Friseurmeisterin wollte sie eine kurze berufliche Pause einlegen. Eine Bekannte meinte da nur: „Das ist ja Quatsch. Du machst Dich jetzt selbstständig, du hast das Zeug dazu!“ Heike hörte auf den Rat und eröffnete am 1. November 1990 ihren Salon an der Brauenkamper Straße, nachdem der Vorbesitzer verstorben war.

„Das war schon in jeder Hinsicht ein Kraftakt“, erinnert sich Heike. Auf 49 Quadratmetern fing alles an. Heute sind es schon knapp 100 Quadratmeter, und in Kürze wird ihr Friseursalon wieder erweitert. Ihre Kunden schätzen neben Heikes Können auch auch ihre herzerfrischende Art und ihre Zuverlässigkeit. Diese Tugenden lebt sie vor und verlangt sie auch von ihrem Team. „Ich habe den schönsten Beruf der Welt“, schwärmt Heike und dabei sehe ich ein Funkeln in ihren Augen.

Ihren späteren Ehemann lernte Heike 1989 in einer Delmenhorster Kneipe kennen. Da Georg Lohse als Ingenieur in Hamburg arbeitete, fragte er: „Kommst du mit nach Hamburg?“ Da Heike nicht so gerne in die Großstadt wollte, kam Georg eben zu ihr. In Ganderkesee wurde ein Eigenheim gebaut und das fast komplett von der eigenen Familie. 1991 wurde geheiratet und drei Jahre später machte Tochter Jacqueline das Glück perfekt.

Heute ist Jacqueline selbst Friseurmeisterin und unterstützt ihre Mutter im Salon. Heike und Georg erlebten glückliche Zeiten. Sei es bei den gemeinsamen Touren mit dem Motorrad oder die jährlichen Skiurlaube. „Mein Georg war immer für mich da.“

Im Sommer 2017 stand die Hochzeit von Tochter Jaqueline an. Alles war vorbereitet, die Familie war in großer Vorfreude. Oft liegen Glück und Leid eng beieinander, das musste Familie Lohse am eigenen Leib erfahren. „Ich glaube heute noch, es war alles nur ein schlechter Film“, sagt Heike. Mit Schmerzen wurde ihr Ehemann ins Krankenhaus eingeliefert. Nach eingehender Untersuchung eröffneten ihr die Ärzte, dass ihr Mann keine Chance auf Heilung hatte.

Es blieben nicht mehr Wochen und Monate, sondern Tage. „Ich habe nur noch funktioniert und konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.“ Statt ausgelassen Hochzeit zu feiern, musste die Familie von einem geliebten Menschen Abschied nehmen.

„Meine Familie, meine Nachbarn und meine Mitarbeiter haben mich aufgefangen“, erzählt Heike. Von einigen sogenannten Freunden hat sie seitdem nichts mehr gehört. Ihr war klar, das Leben muss weitergehen. Um für sich einen neuen Start ins Leben zu ermöglichen, änderte sie den Wohnbereich in ihrem Haus und auch den Garten. Jetzt nach fast einem Jahr kann Heike schon wieder lächeln, besonders wenn sie an die Hochzeit ihrer Tochter denkt, die in diesem Jahr nachgeholt wird.

Heike Lohse,Friseurmeisterin in Delmenhorst

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