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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Ganderkesee

Auf „Fidi“ ist Verlass

26.05.2018

Ganderkesee /Grüppenbühren Jeden Tag über 1000 Jugendliche im Auge zu behalten, das fordert so manches Mal Nerven wie Drahtseile. Aber oft lässt „Fidi“, wie Friedrich Kossen von den meisten genannt wird, Gnade vor Recht ergehen – und das seit fast 23 Jahren. Solange ist Fidi schon Hausmeister am Gymnasium Ganderkesee.

„Ich bin mit Feuer und Flamme hier angefangen“, lächelt der 63-Jährige, denn gleich an seinem ersten Arbeitstag fiel die Doppelgarage mit den Turngeräten einem Brand zum Opfer. Feuer und Flamme war er bald auch für eine Mitarbeiterin, seine heutige Ehefrau Kerstin. Fidi hatte gleich ein Auge auf die hübsche Raumpflegerin geworfen. Es dauerte noch einige Zeit, bis sich beide am 8.8.2008 auf dem Segelschulschiff „Deutschland“ in Bremen das Ja-Wort gaben.

„Ich bin der Chef meiner Frau“, stellt Fidi lächelnd fest, denn Kerstin arbeitet nach wie vor im Gymnasium. Sie und die anderen acht Raumpflegerinnen unterstehen dem Hausmeister. „Wir arbeiten alle Hand in Hand“, sagt Friedhelm Kossen.

Die Entscheidung, sich beruflich zu verändern und Hausmeister zu werden, hat er nie bereut. Er hätte sich aber auch durchaus vorstellen können, Landwirt zu werden, wie sein Vater. Da der Hof seiner Eltern in Grüppenbühren-Klingenhagen aber ein eher kleiner Betrieb war, stand dieser Beruf nicht zur Debatte. Wie auf einem Bauernhof üblich, mussten auch die Kinder schon früh mithelfen. Mit einem Lachen erinnert Fidi sich an die Zeiten, als noch mit dem Ackerwagen Heu eingefahren wurde. Wegen des moorigen Bodens kam dann sehr oft der Wagen in Schieflage und das gepackte Heu kippte um. Dann musste alles wieder neu aufgeladen werden. Seit dem zehnten Lebensjahr ist Fidi ein begeisterter Handballer und das hat sich bis heute auch nicht geändert. Viele Jahre spielte er beim TSV Grüppenbühren und mit 17 Jahren machte er seinen Schiedsrichterschein. Zusammen mit seinem Partner Gerd Voigt bildete er ein bewährtes und beliebtes Schiedsrichtergespann. Beide leiteten Handballspiele bis hinauf zur Regionalliga, also in ganz Norddeutschland. Aus beruflichen Gründen musste er die Einsätze als Unparteiischer aber später aufgeben. Dafür wurde er als Beobachter eingesetzt und bewertete fortan die Leistungen anderer Schiedsrichter. Seit nun vier Jahren steht Fidi wieder als Schiedsrichter auf dem Feld.

Nach seinem Schulabschluss ermunterte ihn sein Bruder Henning: „Werde doch Zimmerer, so wie ich!“ Da man ja bekanntlich auf ältere Brüder hören sollte, absolvierte Fidi seine Ausbildung bei der Zimmerei Kreye in Ganderkesee. Während dieser Zeit war er auch maßgeblich am Bau der Bühne für die Büttenabende in der Festhalle am Steinacker beteiligt.

Nach seiner Ausbildung wollte er weitere berufliche Erfahrung in einer anderen Zimmerei sammeln. Hier wurden die Mitarbeiter in den Wintermonaten zum „Stempeln“ geschickt und so wechselte Fidi zur Schiffswerft Schürenstedt in Motzen, wo er Schiffe mit Holz ausstattete. Vielleicht wäre er heute noch dort, wenn es diese Werft noch geben würde. In den nächsten Jahren arbeitete er bei der Zimmerei Günter Meyer in Falkenburg und auf der Werft von Abeking und Rasmussen, bevor er 1992 – angeregt durch den damaligen Pastor Klaus Peuster – den Beruf wechselte und bei der Kirchengemeinde Ganderkesee in Bookholzberg als Hausmeister, Küster und Friedhofsgärtner anfing.

Als Friedhofsgärtner musste er auf dem Friedhof auch Gräber mit der Hand ausschaufeln: „Tief stechen und weit schmeißen“, war seine Devise. Hart wurde es im doppelten Sinne im Winter, wenn sogar der Presslufthammer zum Einsatz kommen musste. „Während dieser Zeit hatte ich viele Gespräche mit trauernden Menschen, das ging schon an die Substanz“, erinnert sich Fidi. Drei Jahre später stieß er dann auf die Stellenausschreibung für einen Hausmeister am Gymnasium. Die Verantwortlichen waren froh, einen derart versierten Handwerker für diese Aufgabe zu bekommen.

Verantwortlich ist Friedhelm Kossen auch für die Turnhalle am Gymnasium, die jedes Jahr zur Festhalle für den Ganderkeseer Fasching umfunktioniert wird. Hier steht er dann den Faschingsaktiven mit Rat und Tat zur Seite. „Auf unseren Fidi können wir uns immer verlassen“, loben ihn die Faschings-Aktiven. Nicht umsonst wurde ihm 2013 die Ehrenkappe verliehen.

Obwohl Fidi mittlerweile in Hoyerswege wohnt, hält er dem Schützenverein Grüppenbühren bis heute die Treue. Dass er auch treffsicher ist, hat er schon mehrfach bewiesen. Aktuell ist er amtierender Alterskönig. Apropos Alter: „Solange meine Gesundheit mitspielt, bleibe ich hier am Gymnasium bis zum Schluss“, verrät Fidi mir. Nicht verraten möchte er allerdings, was er danach als Rentner machen will. Nur im Sessel sitzen, das passt nicht zu Fidi Kossen.

Friedrich Kossen,Hausmeister am Gymnasium Ganderkesee

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