Ganderkesee/Landkreis Oldenburg - Läuft der regionale Immobilienmarkt heiß? Lohnt sich noch die Investition ins „Betongold“? Diese Fragen stellen sich angesichts immer weiter steigender Preise sowohl Anleger als auch potenzielle Selbstnutzer von Eigentumswohnungen. Experten der Europäischen Zentralbank (EZB) warnen bereits vor einer Blase – und ihrem Platzen.
Diese Gefahr droht laut örtlichen Immobilienexperten im Landkreis Oldenburg noch nicht. Allerdings: Sorglos zugreifen sollten Kaufwillige auch hier nicht. In ihrer jüngsten Marktanalyse stuft die Beratungsagentur „Empirica“ die Gefahr der Blasenbildung bei neuen Eigentumswohnungen für den Kreis Oldenburg bereits als „mäßig“ ein. Und nach Angaben der Stiftung Warentest hat auch das Kaufpreis-Miete-Verhältnis bereits eine wichtige Schwelle übersprungen: Die Wohnungspreise steigen schneller als die Mieten. Die Zahl der Jahresmieten, die für den Kaufpreis aufgebracht werden muss, liegt aktuell bei 25,1. Die Warentester halten bereits das 25-Fache einer Jahresmiete für teuer.
Nachfrage als Anlage
Auch Jörg Huntemann, Geschäftsführer der Ganderkeseer Geno Immobilien GmbH und Mitglied im Gutachterausschuss für Grundstückswerte, sieht das derzeitige Preisniveau bereits leicht überbewertet: „Die Nachfrage nach neuen und gebrauchten Eigentumswohnungen ist zwar auch als Kapitalanlage nach wie vor da – allerdings ist sie leicht rückläufig“, sagt er. „Neue Eigentumswohnungen in Ganderkesee oder Hude mit Durchschnittsgrößen zwischen 70 und 85 Quadratmetern liegen inzwischen jenseits von 200 000 Euro“, so der Experte. Pro Quadratmeter würden um die 3000 Euro fällig. Während Kapitalanleger eine andere Rechnung aufmachten, seien diese Preise für Eigennutzer, etwa Senioren, die ihre gebrauchten Häuser gegen eine kleinere Wohnung eintauschen möchten, schlichtweg zu hoch. „Für ein nicht durchsaniertes Siedlungshaus aus den 1950er oder 60er Jahren sind derzeit am Markt nur 160 000 bis 200 000 Euro zu erzielen, das reicht nicht“, macht Huntemann deutlich.
Auch für Anleger sei die Phase des „Durchfinanzierens“ trotz des billigen Geldes der Banken in Zeiten niedriger Zinsen vorbei. Nicht immer reichten dazu die Mieterlöse. Huntemann: „Ein immer größerer Teil an Eigenkapital ist nun erforderlich.“ Dennoch könnten Investoren, die genug Geld anzulegen hätten, immer noch in den Wohnungsmarkt einsteigen.
Für Heinz Stoffels, Geschäftsführer der Stoffels Immobilien GmbH, in freier Handelsvertretung für die von Poll Immobilien GmbH tätig, lohnt sich der Einstieg ins „Betongold“ immer. „Wir verzeichnen Anfragen auf hohem Niveau“, sagt er. Eine Blasenbildung hält er für ausgeschlossen: „Grundstückspreise, steigende Baukosten und der demografische Wandel treiben die Kaufpreise weiter“. Daran werde sich sobald nichts ändern. Stoffels, der auch in Wildeshausen tätig ist, beteuert: „Das ist eine sichere Anlageform, bei Bestandswohnungen liegen wir in Ganderkesee jetzt bei 7,80 Euro Miete pro Quadratmeter, bei Neubauten über zehn Euro“. Auch Immobilienmaklerin Alexandra Rutz sieht keinen Grund, jetzt nicht einzusteigen: „Wir wissen nicht, wie sich die Wirtschaft entwickelt. Ich glaube aber nicht, dass die Preise fallen, sollten die Zinsen steigen“. Die Nachfrage nach Wohnungen bestimme den Preis. Ihr Tipp: „Wer muss oder will, und es sich leisten kann, sollte lieber jetzt bei niedrigen Zinsen und hohen Preisen einsteigen, als später bei hohen Zinsen“.
