GANDERKESEE - Keine Frage: Im Kulturhaus Müller war am Montagabend nirgends eine Maus zu entdecken. Aber in den Köpfen der knapp 30 Anwesenden waren die Nager allgegenwärtig. Denn in ihrer Kindheit, so berichteten die überwiegend älteren Teilnehmer der Auftaktveranstaltung zur Reihe „Ganderkeseer Lebensgeschichten“, waren Mäuse nicht nur bei Güllegruben, an Kornsäcken oder in Speisekammern zu finden – sondern mitunter auch im eigenen, warmen Bett. Wie gut, dass es da den „Mäuseknüppel“ gab, der ab und an mal geschwungen wurde, erinnerte sich ein sichtlich amüsierter Helmut Otte.
Die Elmeloher Märchenerzählerin Petra Sechting und Ex-Bürgermeister Gerold Sprung hatten die Reihe „Lebensgeschichten“ initiiert, sie übernahmen am Montagabend den Part der Moderatoren. Vergangenes, so Petra Sechting, sei für sie oft wie im Nebel, wie von einem Schleier bedeckt. Und diesen Schleier gelte es – auf unterhaltsame Weise – zu lüften. Als völlig unbegründet sollte sich Gerold Sprungs Sorge erweisen, dass man sich an diesem Abend zeitweise anschweigen werde. Ungezwungen und vergnügt steuerte fast jeder im Saal etwas bei.
Ganz besonders das Thema „Mäuse und Ratten“ reizte. „Die meisten Ratten gab’s auf Gut Nutzhorn“, wusste Helmut Otte. 70 Schweine plus Ferkel hätten da im Stall gestanden, umgeben „von 1200 Ratten“. Die allerdings seien bei der amtlichen Viehzählung nicht berücksichtigt worden, flachste Sprung.
In der Schule in Neuenlande hätten sich die Mädchen wegen der vielen Ratten mitunter nicht zur Toilette getraut, berichtete Helmut Weete. Sein Vater, von 1918 bis 1925 Lehrer in Neuenlande, habe deshalb die Jungen der Unterklasse auch schon mal für einen Vormittag zur Rattenjagd verpflichtet. Warum es damals so viele Nager gab? Kühlschränke zur Lebensmittel-Aufbewahrung gab es ja noch nicht, erläuterte der Saal. Vieles sei offen zugänglich gewesen – die Jauchegruben ebenso wie die oft in Tüten abgepackten Speisen.
Auch die „Mode“ wurde zum packenden Thema. Lederschuhe seien für schnell wachsende Kinderschuhe kaum bezahlbar gewesen. So erinnerte sich Elfriede Sotta an Schuhe mit dreigeteilten Holzsohlen, Heide Beier an das Abschneiden der Schuhkappen, damit die Kinderfüße Platz hatten. Schwierig sei im Winter das Laufen in Holzschuhen gewesen – weil der Schnee darunter klebte: „Das war wie auf Stelzen gehen.“
Apropos Schnee: „Im Winter war früher auch Winter“, so Elfriede Sotta. Schneewehen habe es gegeben, Wege mussten freigelegt werden. „Schlittschuhlaufen war unser Alles“, ergänzte Heinz Schwarting. Möglichkeiten dazu habe es auf überfluteten Wiesen oder auf Tonstichen gegeben.
Und die Sommerkleidung? „Zu uns kam immer eine alte Näherin aus Hoykenkamp“, erinnerte sich Schwarting. Dann habe es nur „die artigsten Kinder“ gegeben. Denn „sonst hätten wir an die Hosen keine Taschen bekommen“.
