GANDERKESEE - Die Gratulantenschar war ein Querschnitt aus dem gesellschaftlichen Lebens. Politiker waren ebenso vertreten wie Vertreter von Verwaltung und Vereinen – und natürlich Kinder.

Von markus minten

GANDERKESEE - Gerold Sprung geht, und viele seiner Weggefährten waren gekommen, um dem scheidenden Bürgermeister „Alles Gute“ für die Zukunft zu wünschen. Rund 200 geladene Gäste, denen die NWZ mit einem Sonderdruck eine Überraschung bereitete, waren der Einladung der Gemeinde gefolgt, die Verabschiedung des langjährigen Verwaltungschefs zu feiern. Sprung war zugleich letzter Gemeindedirektor von Ganderkesee (1987 bis 1999) wie auch erster hauptamtlicher Bürgermeister (1999-2006).

Seine beiden ehrenamtlichen Stellvertreter Christel Zießler (SPD) und Dieter Osterloh (CDU) lobten in ihrer Laudatio – auch im Namen des Ersten Gemeinderats Rainer Lange und der Fachbereichsleiter, die den Empfang gemeinsam mit Petra Heilmann und Iris Hentemann organisiert hatten – Sprungs fachliche Kenntnisse und seine offene Art: „Gerold Sprung hat die besondere Gabe, auf die Menschen zuzugehen und sie durch persönliche Worte direkt zu erreichen“, so Osterloh. Einen guten Kontakt zu technischen Neuerungen wie Handy und Computer habe Sprung hingegen nie aufbauen können. Zießler hob die sehr guten Kontakte des Bürgermeisters zu Vereinen, Institutionen, Verbänden und zur Feuerwehr hervor. Auch sei unter Sprung „für die Kultur das Rathaus geöffnet worden“. Und mehr als zehn Jahre nach dem Neubau des selben habe Sprung kurz vor seinem Abschied erstmals den Fahrstuhl benutzt – der Bruch des Fußes in der Vorwoche habe das nötig gemacht.

Der ebenfalls zum 31. Oktober aus dem Amt und dem Rat scheidende Ratsvorsitzende Bernhard Schwarting hob Sprungs Überparteilichkeit hervor. Der Bürgermeister habe „die vielfältigsten Aufgaben versucht zu meistern und sich um die Gemeinde verdient gemacht“.

Sprung selbst blieb sich selbstredend auch bei seiner eigenen Verabschiedung treu und unterhielt die Gäste mit einer humorvollen, durchaus aber auch (tief-)sinnigen Dankesrede. So bekam die ob des Wechsels aus Delmenhorst nach Ganderkesee „scheinbar immer noch grollende“ Verwaltung der Nachbarstadt (bei der Sprung seine Ausbildung absolviert hatte) einen Seitenhieb ab. Auch gestand der Bürgermeister, dass er sich schon seit vielen Jahren Gedanken über seine eigene Rede mache – nicht weil er es so eilig hatte, den „für mich richtigen Beruf“ aufzugeben. Herauskommen sollte „eine staatstragende Rede – so wie wir sie u.a. von Herzog und Weizsäcker kennen, Lübke eher nicht“. Vielleicht auch „ein Zehn-Punkte-Programm wie seinerzeit Helmut Schmidt anlässlich des Misstrauensvotums im Bundestag“.

Sprungs Dank galt „meiner Ehefrau, die mir den Rücken freigehalten hat unter Zurückstellung eigener beruflicher Aufstiegsmöglichkeiten“. Zudem „meinen Kindern, auch wenn denen die Tatsache, eine öffentliche Person als Vater zu haben, durchaus nicht nur Freude bereitete“ sowie „meinen Sekretärinnen, die es natürlich nicht leicht mit mir hatten“. Da „Prost“ schon zuvor von den Laudatoren gesagt worden war, beendete Sprung seine Rede kurz und knapp mit einem Wort: „Tschüß!“

Und Christel Zießler sprach sicher nicht nur für sich alleine, als sie anmerkte: „Ich werde dich vermissen.“

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NWZ/LANDKREIS/GANDERKESEE 1