GANDERKESEE - Im Streit um die Schwermetall-Belastung des Regenrückhaltebeckens Im Lekkerland „sind wir weit davon entfernt, die Akte zu schließen“. Das betonte Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Rathaus. Angesichts der Sorgen und Ängste, die auch am Mittwochabend bei der sehr gut besuchten Sitzung des Ausschusses für Straßen, Verkehr, Umweltschutz und Landwirtschaft deutlich wurden, werde die Gemeinde weiter an der Aufklärung der Sachverhalte arbeiten.
So habe die Gemeinde Kontakt zum Toxikologen Dr. Hermann Kruse aufgenommen, um ihn um eine Stellungnahme zu bitten. Zweitens sei in der kommenden Woche ein Treffen mit EWE-Vertretern vorgesehen. Das Thema: Die Bewertung der Chrom-Werte, die in Wasserproben der EWE aus den Übergabeschächten in der Handelsstraße ermittelt worden waren. Drittens werde die Gemeinde die eigene Abwasserbeseitigungssatzung aus dem Jahr 1992 auf den Prüfstand stellen – insbesondere im Hinblick auf die darin genannten Chrom-Grenzwerte.
Neu war für die Bürgermeisterin – aber auch für die restlichen Akteure aus Verwaltung und Politik –, dass das Regenwasserrückhaltebecken genau genommen „Teil einer Abwasseranlage“ ist. So jedenfalls hatte es der beauftragte Gutachter Dr. Kasimir Pirwitz erläutert. Schwermetallbelastungen im Schlamm des Beckens, wie bei den Probennahmen gefunden, seien demnach „eindeutig gewollt und der Funktion des Beckens entsprechend“. Dies verhindere, so Pirwitz, dass die schädlichen Stoffe in ein Oberflächengewässer gelangten. Allerdings müsse der Schlamm als Abfall entsorgt werden – was je nach Belastungsgrad unterschiedlich teuer sei. Dass das neu angelegte Rückhaltebecken im Gewerbegebiet damit die gleiche Problematik in sich trägt, überraschte in der Sitzung viele.
Umweltschützer Georg Müller erklärte am Tag nach der Sitzung: „Die von Dr. Pirwitz herangezogene Abwasserbeseitigungssatzung der Gemeinde ist meiner Meinung nach in Teilbereichen ungültig, weil sie mehr erlaubt als die Bundesgesetzgebung. Satzungen können aber immer nur verschärfen, nicht abschwächen.“
Zudem sei es falsch zu behaupten, das eingeleitete Chrom VI sei längst abgebaut. „Wenn immer wieder etwas nachfließt, ist auch immer etwas akut vorhanden.“
