GANDERKESEE - In einem Satz fasst Gemeindejugendpflegerin Brigitte Balder die Aufgaben der aufsuchenden Jugendarbeit zusammen, so, wie sie sie versteht: „Wir sind für die Probleme, zuständig, die die Jugendlichen haben, nicht für die, die sie machen.“ Mit diesem Verständnis gehen Balder, „Streetworker“ Christian Manig, Julia Pospiech (Sozialarbeiterin im Praktikum) und – bei Bedarf – die Honorarkäfte Henrike van Lengen und Sven Stritzel ihre Arbeit an.

Und das durchaus mit Erfolg, wie Balder meint. „Die Störungen durch Jugendliche sind deutlich zurückgegangen.“ Am Schulzentrum Ganderkesee etwa gebe es seit rund zwei Jahren „ganz wenig Vorfälle“. Das bestätigten Hausmeister, Lehrer und Polizei – ohne es mit konkreten Zahlen belegen zu können.

Gemeindeweit gebe es rund zwei Dutzend sogenannter informeller Treffpunkte, an denen Jugendliche ohne festes Angebot und ohne einen Verein im Hintergrund zusammenkommen. Für Balder sind solche Treffen wichtig: „Der Kontakt mit Gleichaltrigen bedeutet soziales Lernen und die gegenseitige Stabilisierung bei der Bewältigung des Alltags.“ Und: „Das Sammeln von Erfahrungen auf dem Weg zum Erwachsensein.“

Immer wieder beschweren sich allerdings Nachbarn über nächtliche Lärmbelästigung. „Da fehlt die Toleranz. Jeder war doch mal jung“, klagen Brigitte Balder und Julia Pospiech. Gebe es Lärm oder liege an öffentlichen Plätzen Müll herum, sei der Sündenbock schnell gefunden: die Jugendlichen. Doch die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung wehren sich gegen einen solchen Generalverdacht. „Jugendgruppen sind gesellschaftliche Biotope. Da ist alles dabei, was sich in der Erwachsenenwelt auch findet.“

Balder und ihr Team sehen ihre Aufgabe demnach auch nicht im Verscheuchen der Jugendlichen. „Wir sind auch keine Polizei.“ Vielmehr suchen sie das Gespräch auf Augenhöhe, den Kontakt – stets auf freiwilliger Basis.

Nur so könne an der Lebenssituation jedes Einzelnen angesetzt werden: „Wir stoßen immer wieder auf Situationen, die mit Alkoholmissbrauch, Verschuldung, Lebens- und Alltagskrisen zu tun haben“, so Balder. Vertrauen und Verlässlichkeit sei deshalb wichtigstes Gut der Jugendarbeit. Gemeinsam mit den Jugendlichen könnten dann Ideen entwickelt werden, die an ihre Bedürfnissen anknüpfen. Oft mit Erfolg.