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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Ganderkesee

Über Umwege an den Ring

24.03.2018

Ganderkesee Viele Wege führen bekanntlich nach Rom – oder anders ausgedrückt: Viele Wege führen ebenso nach Ganderkesee. So hat auch der Inhaber der Ring Apotheke, Thomas Beck (57), den Weg vom Ruhrgebiet über Berlin nach Ganderkesee gefunden.

Aufgewachsen ist Thomas Beck in Dortmund, sein Vater war Bergmann, wie viele andere Männer auch. Thomas hatte es in der Schule nicht immer leicht. Mit zehn Jahren begann er mit Judo und als er dann zum Ende seiner Schulzeit einmal den Stärksten seiner Klasse aufs Kreuz legte, wurde Thomas plötzlich anerkannt und war beliebt bei allen Mitschülern. Obwohl seine Noten in der Gesamtschule nicht schlecht waren, meinten seine Lehrer: „Mach’ Du mal eine Lehre.“

Nach seinem Schulabschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Chemielaboranten. Noch während der Lehrzeit meinten einige Kollegen: „Du kannst mehr, mach’ Dein Abitur.“ Er hörte auf diesen Rat und besuchte parallel zur Ausbildung das Abendgymnasium. Während dieser Zeit zogen dunkle Wolken über Familie Beck auf: Seine Mutter erkrankte schwer. Die Ärzte gaben ihr nur noch wenige Wochen. Thomas begleitete seine Mutter zu einem „Wunderheiler“ auf den Philippinen und aus wenigen Wochen wurden noch eineinhalb Jahre. Kurz nach dem Ende seiner Ausbildung starb seine Mutter.

Als einziges Kind versuchte er danach, im Haushalt die Mutter zu ersetzen – und das neben dem Abendgymnasium. Das Zusammenleben mit seinem Vater funktionierte nicht und Thomas verließ sein Elternhaus. Nach dem Abitur am Abendgymnasium stand für ihn fest: „Ich möchte Medizin studieren.“ Ein Studienplatz war allerdings schwer zu bekommen. Thomas wartete ein Jahr und verdiente sich als Taxifahrer seinen Lebensunterhalt. Da die Aussichten auf ein Medizinstudium immer noch nicht gestiegen waren, entschied er sich für ein Studium der Pharmazie in Berlin. „Ich habe West-Berlin und die Menschen gleich in mein Herz geschlossen“, erzählt Thomas Beck.

Marlene Dietrich sang einmal: „Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin“ – so geht es auch Thomas Beck. Noch heute hat er eine Wohnung in Berlin und fährt mindestens einmal im Monat dorthin. Während seiner Studienzeit erlebte er 1989 den Mauerfall hautnah mit. „Ich war mit dem Auto unterwegs und hörte die Nachricht im Radio. Zunächst habe ich das für ein Hörspiel gehalten und den Sender gewechselt. Als auch die davon berichteten, bin ich sofort zur Grenze gefahren. Die strahlenden Augen der Menschen aus der ehemaligen DDR werde ich nie vergessen.“

Um sein Studium und das Leben in Berlin zu finanzieren, arbeitete er in der Altenpflege oder auch im Catering bei diversen Veranstaltungen. Die Hoffnung, sofort nach dem Studium eine Stelle als Apotheker zu bekommen und dazu noch in Berlin, erwies sich als trügerisch. Da er aber unbedingt in Berlin bleiben wollte, machte er einen Taxischein. Zunächst war er bei einem Taxiunternehmen angestellt, später machte sich Thomas Beck mit einem alten Mercedes selbstständig. „Die Garage für den Mercedes war teurer als meine Wohnung.“

Drei Jahre fuhr er Taxi und bildete sich während dieser Zeit weiter zum Heilpraktiker für Physiotherapie. Da der Verdienst als selbstständiger Taxifahrer nicht gerade üppig war, stellte sich die Frage: Was tun? Zeitweise arbeitete er als Vertreter für Apotheker, die in Urlaub waren oder krankheitsbedingt ausfielen, und das im gesamten Bundesgebiet. Nachdem Thomas Beck viel in Süddeutschland gearbeitet hatte, verschlug es ihn ins Emsland. Die schon etwas ältere Inhaberin sagte ihm per Handschlag zu, dass er ihre Apotheke einmal übernehmen könnte. Zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin verlegte er seinen Wohnsitz nach Weener in Ostfriesland. Irgendwann jedoch wollte die Besitzerin von der Vereinbarung nichts mehr wissen. Thomas Beck arbeitete wieder als Apothekenvertreter, unter anderem als Filialleiter in Saarbrücken – aber immer mit dem Wunsch, sesshaft zu werden.

Durch einen Vermittler bekam er 2008 den Tipp, dass in Ganderkesee eine Apotheke frei werden würde. „Mein erster Eindruck von Ganderkesee war sehr gut und auch mit den beiden Inhabern Dagmar und Werner Schmidt wurde ich schnell einig“, schwärmt Thomas Beck. Er erwarb nicht nur die Apotheke, sondern das gesamte Gebäude samt dazugehöriger Wohnung. Mit viel Energie baute er die Apotheke nach seinen Vorstellungen um. Er ist mit Leib und Seele Apotheker und es gibt für ihn nichts Schöneres, als seinen Kunden mit Rat und Tat zur Seite zu stehen – auch in den Bereichen Homöopathie und Pflanzenheilkunde. Das gilt auch für die ätherischen Öle, die Thomas Beck vertreibt.

Bei dem beruflichen Erfolg blieb allerdings die Beziehung zu seiner Lebensgefährtin auf der Strecke. In seiner Freizeit spielt Thomas Beck gern Schach und geht mit seiner Hündin „Luna“ spazieren. Außerdem rührt er auch in der Küche gern etwas an: Er kocht gerne und gut. Sein größter Wunsch ist aber eine Familie.

Thomas Beck,Inhaber der Ring Apotheke in Ganderkesee

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