GANDERKESEE - Die Überraschung kam zum Schluss. Der Ausschuss für Straßen, Verkehr, Umweltschutz und Landwirtschaft hatte bei einer Gegenstimme gerade der Vorlage zugestimmt, als Georg Müller die Katze aus dem Sack ließ: Hatten zuvor Sachverständige über Chrombelastungen im und um das Regenwasserbecken im Industriegebiet berichtet und Ratsmitglieder debattiert, ob und in welchen Mengen Chrom in Ab-, Regen- oder Schmutzwasser vorhanden sein dürfe, verlas der Umweltschützer einen Brief aus dem Landesumweltministerium. Das hatte ihm geantwortet, Chrom dürfe nicht in Regenwasserkanäle eingeleitet werden. Vielmehr gehöre belastetes Wasser zwingend in den Schmutzwasserkanal.

Auch dass die Abwassersatzung der Gemeinde nicht vor Bundes- oder Landesrecht gehen könne, hatte das Ministerium Müller bestätigt. Das allerdings hat auch die Gemeinde erkannt. Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas betonte, dass die Satzung bereits „auf dem Prüfstand ist“.

Zuvor hatte Dr. Hermann Kruse berichtet, dass er aus den Werten „keine Chromexpositionen ausmachen kann, die zu Gesundheitsschäden geführt haben“. Dennoch bestehe Handlungsbedarf, da chrombelastetes Wasser eingeleitet wurde. „Für Chrom VI gibt es keinen Toleranzwert, da gilt das Minimierungsgebot“, so Kruse. Insbesondere das Vorkommen des krebserregenden aber nicht sehr stabilen Chromats (Chrom VI) sei ein Hinweis auf einen „frischen Eintrag“. Der Toxikologe forderte u.a. eine kontinuierliche Überwachung und eine Zusammenstellung der Grundwasserdaten.

Für die vom Ausschuss beschlossene Beseitigung des Beckens seien, so Dr. Kasimir Pirwitz, rund 500 Tonnen Sediment zu entnehmen und zu deponieren. Die Kosten veranschlagte der Experte mit rund 40 000 Euro. Das Grundwasser sieht Priwitz indes nicht gefährdet, da Bodenproben unterhalb des Sediments kein Chromat aufwiesen.

Auf den Kosten wird die Gemeinde wohl sitzenbleiben. Der Ausschuss sprach sich gegen eine Strafanzeige aus (und damit gegen weitere Untersuchungen). Auch, weil Dr. Kruse wenig Hoffnung machte, den Verursacher ausfindig machen zu können.