Ganderkesee - „Der edle Prinz darf heute nur daneben stehen“, begrüßte der Erste Gemeinderat Rainer Lange die Tollitäten im Rathaus. Und Recht hatte er, denn am Donnerstag war Weiberfastnacht und die Regie führten Prinzessin Claudia I. (Ordemann) und ihre Ehrendamen Celina Famulla, Lisa-Marie Kuhnke, Marieken Molde und Irina Fetter. Und die hatten alle Hände voll – mit Scheren und abgeschnittenen Schlipsen.
Langes letztes Mal
Ihre Rundreise begannen die Tollitäten traditionell im Rathaus der Gemeinde Ganderkesee. Begrüßt wurden sie von Rainer Lange – ein letztes Mal. Denn zum September geht Lange in den Ruhestand und gibt sein Amt an Matthias Meyer weiter. „Meine Amtszeit ist ja kürzer als vom Prinzenpaar“, scherzte Lange in der improvisierten „Bütt“ im ersten Stock des Rathauses. „Ob der Meyer künftig auch hier steht?“, fragte er – und nahm den Besuch der schneidefreudigen Faschingsdamen auch sonst mit Humor. Lange habe er überlegt, was er der Prinzessin statt Krawatte schenken könne. Doch den Schal, den Lange trug, wollte er nicht opfern, der diente nur zur Tarnung: Denn darunter hatte er nicht nur eine Krawatte versteckt, sondern gleich fünf – eine für Claudia I. und je eine für die Ehrendamen.
Und das Quintett ließ sich kaum aufhalten, gerade war die Begrüßung, die natürlich nicht ohne dreifaches „Ganderkesee hinein und he geiht“ auskam, vorbei, zückten die „Weiber“ schon die Scheren – und befreiten Rainer Lange von der ungewohnten Halslast. Danach ging es auch seinem Nachfolger Meyer sowie den anderen männlichen Mitarbeitern im Rathaus an die Binder. Wirklich sicher war nur, wer seine Tür abgeschlossen hatte – denn darauf, dass auch alle Männer den Weg zum offiziellen Empfang gefunden haben, verließen sich die Scherenschwingerinnen natürlich nicht und überprüften sorgfältig noch weitere Büros.
Kritischer Blick
Bevor es für die Tollitäten dann unter anderem zum Empfang im Delmenhorster Rathaus ging, besuchten sie zunächst die Volksbank und dann noch die Ganderkeseer Redaktion der NWZ. Mit standesgemäßer Einmarschmusik enterten die Tollitäten die Gläserne Redaktion – und testeten, wie laut denn hier der Faschingsruf angestimmt werden kann. Trotz bestandener Lautstärke-Probe fackelten die „Weiber“ aber auch hier nicht lange: Schnipp, schnapp, schon wanderten die Krawatten der (wenigen) anwesenden Herren in die Beutesammlung der Tollitäten. Bei Sekt und Snacks blieb danach noch genug Zeit, um die Fotoauswahl für die Ausgabe kritisch zu beäugen.
