GANDERKESEE - „Der Laden wird an die Wand gefahren, um sich von unliebsamen Mitarbeitern trennen zu können“, mutmaßt Verdi-Sekretärin Annette Klausing – und will prüfen, ob gegen die Geschäftsführung der Wichernstift-Altenhilfe gGmbH und den Vorstand des Wichernstift-Vereins in Ganderkesee Strafanzeige wegen Nötigung des Betriebsrates gestellt werden sollte. Damit eskalieren die seit über zwei Jahren ausufernden Differenzen zwischen Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretung noch weiter. Die Konsequenz: Das Altenpflegeheim des Wichernstifts wird aller Voraussicht nach geschlossen.

Der Verein, alleiniger Gesellschafter der insolventen Altenhilfe gGmbH, will mit seiner neu gegründeten Altenzentrum gGmbH den bereits von 130 auf 70 Plätze verkleinerten Betrieb übernehmen und in eine gerontologische Facheinrichtung für Demenzkranke umwandeln. Die Betriebsratsmitglieder sind nicht nur bereit, dem Abbau von Personal und der Senkung der Löhne zuzustimmen, sondern wollen auch auf Weiterbeschäftigung verzichten, wie von der Unternehmensleitung gefordert. Ein Verzicht auf die gesetzlich geregelte Sozialauswahl bei den anstehenden Entlassungen komme aber nicht in Frage.

Insolvenzverwalter Berend Böhme macht kein Hehl daraus, dass das Wichernstift ausschließlich die eigene Altenzentrum gGmbH ins vereinseigene Heim lassen will. Externe Interessenten gebe es genug, aber die seien beim Vermieter nicht erwünscht. Und dass sich die neue Gesellschaft aus dem vorhandenen Personal eine „olympiareife Mannschaft“ zusammenstellen möchte, sei auch unbestritten.

Er hoffe, das Band für Gespräche sei noch nicht völlig zerschnitten, meinte Böhme. Ansonsten müsse den 70 pflegebedürftigen Bewohnern zum Jahresende gekündigt werden.